Auftakt der 1. Triathlon-Bundesliga im Kraichgau (2023)
Um die wichtigste Frage gleich vorneweg zu beantworten. Ja, wir sind mit dem 10. Platz im ersten Rennen der Bundesligasaison 2023 durchaus zufrieden.
Das erste Rennen der Bundesligasaison 2023 sollte im 2x2Paarstaffel-Format ausgetragen werden. Genau jenes Format also, das beim Finale der letzten Saison in Hannover Premiere hatte. Seiner Zeit konnten wir mit einer offensiven Taktik das Rennen über sehr lange Zeit mitbestimmen und sowohl uns als auch die Fachwelt mit Platz vier im Ziel entzücken. Gerne kannst du hier (klick) nochmal nachlesen, wie uns das gelang.
Format 2x2Paarstaffel
Die vier Athletinnen einer Mannschaft werden in zwei Paare aufgeteilt. Paar 1 absolviert einen Supersprint-Triathlon über 375 m Schwimmen, 10 km Radfahren und 2,5 km Laufen und übergibt dann auf Paar 2, welches die gleiche Distanz absolviert. Entscheidend für die Wertung ist die dritte Athletin, die die Ziellinie überquert. Hierbei gibt es drei realistische Szenarien:
- Beide Athletinnen von Paar 1 übergeben geschlossen auf Paar 2. Dann zählt die erste Athletin von Paar 2 im Ziel.
- Eine Athletinnen von Paar 1 übergibt deutlich eher auf Paar 2. Dann muss Paar 2 geschlossen ins Ziel kommen.
- Beide Paare bleiben jeweils zusammen.
Der Weg bis zum ersten Rennen war für unsere Mannschaft durchaus holprig. Zunächst bekamen wir die Nachricht, dass Sophie Gießmann einen Ermüdungsbruch erlitten hat und der Heilungsprozess nicht optimal lief. Beim ersten Rennen der Regionalliga, welches eine Woche vor Kraichgau stattfand und gerne als finaler Test genutzt wird, zog sich Pauline Feußner dann eine Kahnbeinfraktur zu und fiel kurzfristig aus. Beide Athletinnen werden uns im Laufe der Saison wieder unterstützen, aber erstmal schmerzte es und warf die Pläne durcheinander. Auf der anderen Seite ist der Kader inzwischen etwas größer und stabiler, so dass wir uns in der finalen Besetzung mit Sophie Schumann, Lena Riedel, Emily Köpper und Anna Heyder durchaus gut aufgestellt sahen. Auch die Pärchenbildung und Taktik lies sich mit Nachdenken lösen.


Es ist Freitagfrüh in der Rennwoche. In 34 h ertönt der Startschuss am Hardtsee in Ubstadt-Weiher. Es ist alles bereitet für ein schönes und erfolgreiches Wettkampfwochenende: Die Ummeldung ist erledigt. Taktik und Reiseplanung sind abgesprochen. Renn- und Repräsentationskleidung sind sortiert, gewaschen und gebügelt. Werkzeugkoffer und Pumpe stehen bereit. Der TV-Bus ist gepackt. Laut Plan muss ich kurz vor 10 Uhr in Dresden los und sammle unterwegs Anna und Sebastian, Emily, Lena und Jana ein. 17 Uhr wollen wir am Hardtsee sein, Sophie treffen und die Strecken besichtigen. Ich bin ready to go. Nein, bin ich nicht! Mein Kopf ist matsch. Mein Hals kratzt und meine Nase ist total zu. Wo kommt das denn jetzt so plötzlich her? So ein Mist! Also, nochmal nachdenken, nochmal den Plan überarbeiten, eine Lösung finden. Die Lösung liegt dieses Mal recht nahe und ist, wenn man so will, auch gut vorbereitet: Sebastian und Jana übernehmen das Management und die Vor-Ort-Betreuung. Ich bringe den Bus zu Anna und Sebastian und lege mich anschließend ins Bett.
Auch beim zweiundvierzigsten Drübernachdenken finde ich keinen Punkt, den wir in der Planung und Vorbereitung vergessen haben. Und, sowohl die Athletinnen als auch Jana und Sebastian wissen was zu tun ist. Petko ist vor Ort und wird weltbeste Bilder machen. Zur Ruhe komme ich trotzdem nicht. Ich bin (positiv) aufgeregt. Zu viel Energie, Zeit und Aufwand haben wir bis zu diesem Punkt investiert und nun liege ich im Bett, weit weg vom Geschehen. Boah, nerv!
Es ist Samstagfrüh. Jana, Emily, Sophie und Anna rufen an. Wir sprechen kurz zum Stand der Dinge, wie es den Athletinnen geht und nochmal zu taktischen Feinheiten. “Es läuft alles gut. Mach dir keine Sorgen. Gute Besserung.” Genau, mach dir keine Sorgen, Martin. Ähnlich muss sich meine Mutti früher oft gefühlt haben, wenn ich ihr diesen Satz sagte.





Am Samstag um 17 Uhr soll der Startschuss für das Rennen der Frauen fallen. Das Mediateam der Deutschen Triahlon Union will das Rennen der Frauen und der Männer per Youtube-Livestream übertragen. 17 Uhr fällt der Startschuss und der Livestream beginnt. Ich sitze bei Pauline und Marco im Wohnzimmer und halte mich am Spaghettieis fest. Das favorisierte Team von Ejot Buschhütten ist aus dem Wasser und setzt sich auf dem Rad ab. Der Livestream folgt dem Team. Was dahinter passiert bleibt für uns unklar. Ah, eine kryptische Nachricht in unser Chatgruppe: “4 und 5 raus” schreibt Sebastian. Das lässt sehr viel Interpretationsspielraum. Sind Emily und Sophie auf Position 4 und 5 aus dem Wasser bzw. auf’s Rad? Das wäre zu gut. Recht glauben kann ich es nicht. In der Instagram-Story sehen wir, das Emily durchaus den besten Start hatte. Vielleicht passt das also doch?! Der Livestream ruckelt. Das Ejot-Team setzt sich weiter ab. “Ah, da war ein roter Einteiler in der ersten großen Gruppe.” “Meinste wirklich?” Der Livestream hängt. Der Livestream bäumt sich ein letztes Mal auf und bricht krachend zusammen. Boah, nerv!





Marco, Pauline und ich sitzen im Blindflug auf der Couche. Mein Spaghettieis schmilzt in meiner Hand. Weitere lange Minuten vergehen, bis die Chatnachrichten uns bestätigen, dass Emily und Sophie nen krassen Auftakt hinlegen und in der ersten großen Gruppe sitzen. Sophie soll Emily so gut positioniert wie möglich zum Laufen absetzen und Emily soll beim Laufen ein Feuerwerk abbrennen. Das tut sie. Sie übergibt auf Position 5 an Lena und Anna. “Aktuell alles nach Plan”, schreibt Sebastian. Na, ich finde ja, dass wir etwas über Plan liegen und freue mich sehr für Sophie und Emily. Auf der anderen Seite sind wir auch erst bei der Halbzeit des Rennens und bis in’s Ziel ist es noch ein Stück. Lena und Anna müssen als zweites Paar 2 jetzt zusammen ins Ziel kommen und sich auf dem Weg dorthin bestmöglich unterstützen. Einige andere Teams, die hinter uns wechseln, bringen beide Athletinnen von Paar 1 zum Wechsel und müssen daher nur noch eine Athletin in’s Ziel bringen.


Ok, auf geht’s Anna und Lena. Der Livestream kommt nicht wieder. Ein Livetimining gibt es nicht. Wir sitzen wieder im Blindflug auf der Couche. Hölle. Mein Spaghettieis ist inzwischen geschmolzen. Es ist nicht zum Aushalten. Wir rufen Sebastian an. Anna und Lena sind aus dem Wasser und auf dem Rad. Ein paar Plätze haben sie hergeben müssen. Ok. Sie gehen zum Lauf. Der Livestream kommt wieder. Es ruckelt nach wie vor sehr stark. Nach dem Zieleinlauf der Siegermannschaft bricht der Livestream wieder zusammen. Anna und Lena bringen die Mannschaft auf Platz 10 ins Ziel. Stark! Das ist ein sehr guter Auftakt für uns und wieder ein kleiner Schritt nach vorne. Lena hat ihre Feuertaufe mit Bravour bestanden.

Bei der Analyse der Ergebnisse erkennt man, dass sieben von 15 Mannschaften beide Athletinnen im Paar 1 zum Wechsel gebracht haben. Alle sieben waren schneller als wir im Ziel. Haben wir die falsche Taktik gewählt? Nein, ich denke nicht. Wir haben unsere Karten bestmöglich gespielt.
Ich bin total stolz auf alle Beteiligten. Die Athletinnen haben die sportlichen und taktischen Herausforderungen gut umgesetzt und gezeigt, wie gut Triathlon als Mannschaftssport funktioniert. Jana und Sebastian sind Betreuer:innen, auf die man sich verlassen kann. In Summe zeigt mir das, dass wir hier die richtigen Menschen im und um das Team haben. (Ich hoffe trotzdem, dass sie mich in Zukunft wieder mitnehmen wollen.)
Das nächste Rennen findet am 25. Juni am Schliersee statt. Es wird toll.
Sportliche Grüße
Martin
Ergebnisse: Kraichgau Frauen 2023



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