Hier nun der etwas ausführlichere Bericht:
Wie immer vor einer Langdistanz stehen bis zum Start einige Trainingseinheiten, mindestens genauso viele Zweifel an der eigenen Vorbereitung und die Prüfung der finanziellen Leidensfähigkeit (in Form von einem heftigen Startgeld) an.
Nachdem diese Dinge erledigt waren, durften Toralf und ich am Sonntag pünktlich um 6:45 Uhr in der ersten Startgruppe endlich in den längsten Tag des Jahres starten. Geschwommen wurde in einer Kiesgrube in der Nähe des Flughafens Frankfurt. Es galt zwei Teile der Schwimmstrecke – getrennt von einem kurzen Landgang – zu bewältigen. Ich wählte meinen Startort ganz rechts, der mir einen etwas längeren Weg zur ersten Boje, aber auch ein Schwimmen ohne Schläge bescherte. Meine Taktik beim Schwimmen ist schnell beschrieben: Vollgas! Das hatte ich gezielt trainiert und hoffte das Tempo so lang wie möglich halten zu können. Die letzten 200 m des Schwimmens waren dann auch kein Kindergeburtstag mehr… Nach dem Schwimmausstieg, als erstes versicherte ich mich, dass mir auf den letzten Metern im Wasser kein Arm abgefallen ist, hoffte ich auf einen Zuruf von Simi mit einer Schwimmzeit von unter einer Stunde. Das rief sie mir dann auch zu – was ich hörte war allerdings kaum zu glauben: ich sollte unter 55 min geschwommen sein!? Nachdem ich am Rad war und wieder selbst eine Uhr hatte, kontrollierte ich die zugeworfenen Zahlen. Tatsächlich, ich war nach unter einer Stunde Racetime auf dem Rad und donnerte Richtung FFM. Ein guter Start, so konnte es weiter gehen.
Allerdings galt es nun erst einmal auf dem Rad einen guten Rhythmus zu finden, den Puls bissl runterzubringen und sich zu verpflegen. Einige Teilnehmer rasten nun an mir vorbei, mein Powermeter P2M meinte allerdings, es wäre besser diese ziehen zu lassen. Das tat ich auch und war dann einige Zeit allein unterwegs. Nach ca. 40 KM auf dem Rad kam eine rießige Gruppe an, die sich erst durch die Kampfschiedsrichter und den langsam einsetzenden Regen etwas trennen lies. Um einer Strafe sicher zu entgehen, bin ich bis dahin dieser Gruppe mit Sicherheitsabstand gefolgt. Irgendwann wurde der Nieselregen zum Wolkenbruch und in Frankfurt hatte wohl auch jemand vergessen die Tür zu schließen: ein richtiger Sturm setzte ein. Dadurch zerlegte sich die angesprochene Gruppe in Sturzopfer und Teilnehmer denen die Kräfte ausgingen. Nun war ich die ungebetenen Begleiter also wieder los und konnte den Rest der Radkilometer allein gegen die Elemente kämpfen. Das Rad übergab ich dann nach genau 5 Stunden Fahrzeit an die Helfer der Wechselzone 2 und pünktlich zum Lauf schien in Frankfurt auch wieder die Sonne. Der ekelige Wind blieb mir aber den gesamten Lauf über erhalten.
Auf den ersten Kilometern des Marathons war ich neugierig welche Signale mir meine Beine senden werden. Etwas verunsichert war ich wegen Problemen an meiner linken Achillessehne, die in der Wettkampfvorwoche auftraten (verdammt – links war die Seite, die bisher nie zwickte und 1.5 Woche vor dem Saison-Highlight muss das Ding Zicken machen). Nachdem mir Holm Große dazu gute Tipps gegeben und auch noch kurzfristig einen Arztbesuch bei einem Spezialisten organisiert hatte (@Holm: vielen Dank nochmal dafür!!!) habe ich vor dem Start zumindest alles Mögliche getan, um das Problem in den Griff zu bekommen. Nach dem Laufstart musste ich mich richtig einbremsen, um nicht mit 4:10 min/km loszustürmen. Es fühlte ich wirklich herrlich locker an, aber mir war bewusst das 42 km lang werden. Also habe ich das Tempo etwas reduziert und wurde von einigen Mitstreitern überholt. Ab KM 10 fühlte sich der angestrebte Schnitt von 4:3o auch nicht mehr so locker an wie noch 5 KM zuvor, aber es ging immer noch komfortabel voran. Erst ab dem Halbmarathon wurde es etwas schwerer – ab diesem Zeitpunkt ernährte ich mich auch nur noch von Cola, weil die Gels irgendwie nicht mehr in den Beinen anzukommen schienen. Durch die Cola-Diät konnte ich sofort wieder einen 4:30er Schnitt laufen und ihn auch für die nächsten 10 km halten ohne schon zum Endspurt ansetzen zu müssen. Denn dieser war für letzte Runde geplant – nun galt es alles aus den schon ziemlich geschundenen Knochen und Muskeln rauszuholen, was noch drin war. Ich konnte nochmal richtig Tempo aufnehmen und überholte viele Teilnehmer mit genauso viel Bändern (also gelaufenen Runden) am Arm wie ich sie trug. Da Simi mir immer noch einen 10. Platz in der AK zurief, ahnte ich nun, dass diese Information so nicht stimmen kann. Einige der Überholten hatten ähnlich mit sich verflüchtigendem Haupthaar zu kämpfen wie ich selbst. Diese Teilnehmer schlug ich einfach mal meiner AK 35-39 zu (leider konnten die AK´s sonst nicht auseinander gehalten werden). Um mein Ziel – Hawaii –abzusichern, lief ich auch die letzten Kilometer trotz Krampfansätzen voll. Den Marathon beendete ich nach 3:10 und damit das Rennen in für mich total genialen 9 Stunden und 10 Minuten. Im Ziel wurde ich vom Sprecher als 2. meiner Altersklasse empfangen. Da ich nach dem Rennen etwas matschig im Hirn war, glaubte ich an einen Hörfehler, allerdings bestätigte sich diese Aussage beim Urkundenausdruck. Ich konnte es nicht glauben – der Slot war sicher und ich war 2. bei der Ironman Europameisterschaft (Gesamt: Platz 36/oder auch 3. Frau ;-))! Unglaublich, irgendwie bis heute….
Der Rest ist schnell erzählt: es folgte eine kurze Nacht und die abermalige Prüfung der finanziellen Schmerztoleranz bei der Hawaii-Slot-Vergabe. Mit dem Slot in der Tasche ging es dann fix zurück nach DD zum Wunden lecken. Jetzt wird regeneriert und irgendwann auch etwas für Hawaii trainiert. Da nun mein gesamtes Startgeldkontigent 2012 bei der WTC gelandet ist, wird es wohl im Sommer, die Wettkämpfe in der Region betreffend, nicht so viel von mir zu berichten geben. Nach Hawaii werde ich mich aber sicher wieder zu Wort melden.
Nun möchte ich mich noch bei einigen lieben Menschen bedanken:
Allen voran bei Simone, die mich während der Vorbereitung auf Frankfurt im letzten halben Jahr immer unterstützt hat, Verständnis für mein Training zu den irrsten Tages- und Nachtzeiten hatte und auch mal meine Launen ertragen hat. Vor allem in der Vorwoche zum Wettkampf war ich wohl eine ziemliche Nervensäge und mit mir nichts mehr anzufangen… Auch wurde ich von ihr immer wieder aufgepäppelt, wenn ich mal wieder völlig durchgenudelt nach einem harten Training mit letzter Kraft die Wohnung erreichte. Dass neben dem Job und Training nur wenig Zeit für andere schöne Dinge des Lebens blieb, muss ich wohl nicht weiter ausführen. Simi, das war (vorerst ;-)) meine letzte LD-Saison!
Nochmal möchte ich auch Holm Danke sagen! Er war für Fragen und Tipps immer zu sprechen und ich durfte mit ihm im März ein traumhaftes Trainingslager verleben.
Außerdem muss ich Elli erwähnen! Elli ist unsere Physio und sie hat uns auf sympathische Art immer geholfen. Wie durch Zauberhand hat Sie die Achillessehne kurz vor dem Wettkampf wieder hinbekommen. Während des gesamten Laufes hatte ich keine Beschwerden!
Und auch vielen Dank an den TV Dresden, dessen Trainingsmöglichkeiten wir seit 2012 nutzen dürfen und bei dem wir uns super aufgenommen fühlen. @ Curt + Jule: Super das Ihr in FFM wart – die Anfeuerungen haben mich richtig schön angetrieben. Danke! @Jörg: Dank auch an Dich für die mir gegebenen Trainingstipps.
PS: Gratulation auch an Sebastian Küfner und Sven Kunath die jeweils super Leistungen ablieferten und als 18. bzw. 19. in jeweils 8 Stunden 53 Minuten einliefen. Schade das Toralf sturzbedingt das Rennen vorzeitig beenden musste und seine super Form nicht zu einem sehr guten Ergebnis (er war auf dem Weg dorthin) umwandeln konnte.
Viele Grüße, Eurer Rajko
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