San Bruno Mountain Half Marathon Trail
Was macht man, wenn man auf Dienstreise in San Francisco noch einen halben Tag hat bis der Rückflug geht? Sich die Golden Gate Bridge anschauen? Chinatown? Die berühmten „Cable Cars“? Oder sich bei einem 21km Traillauf komplett aus dem Leben schießen?
Und was soll ich sagen, ich konnte gar nicht anders: Ein lokaler Laufclub lud zum „San Bruno Mountain Half Marathon“ – Start an der San Bruno Ave. im beschaulichen Brisbane, CA – etwas südlich von San Francisco direkt unterhalb des San Bruno Mountain State Parks.
An diesem Tag fand dort gleichzeitig ein kleines Stadtfest statt, also etwas Trubel, Mampfbuden, Wahlkampfstände und ein Kinderseifenrennen; Ich denke mal ein ganz normaler amerikanischer Kleinstadttag ;). Das Seifenkistenrennen war aber auf jeden Fall recht putzig.
Ganz unaufgeregt hingegen die Lauforganisation: kleiner Tisch, Onlineanmeldung, Startnummer, kurze Einweisung und dann ging es auch schon los: Immer den pinken Bändern nach, perfekt ausgewiesen.
Die ersten 1.5-2 km ging es bergauf – richtig steil bergauf, man könnte sagen: brutal bergauf. Nach fast 400hm brannten die Beine, der Puls hämmerte und wollte/sollte sich den Rest des Rennens auch nicht mehr so richtig beruhigen.
(Bild: Veranstalter)
Oben angekommen wurde man dann aber belohnt mit einer atemberaubenden Aussicht über die Bay Area.
Ohne Kamera meinerseits schlecht festzuhalten, ich verlinke mal was:
Blick über den Gipfelgrat
Blick nach San Franscisco
Der Ausblick wurde begünstigt durch das komplette Fehlen von Bäumen – und damit auch Schatten. Und bekanntlich regnet es in Kalifornien nicht und nicht nur das, es war ein Bilderbuchtag mit strahlend blauem Himmel, die Sonne brannte unerbittlich.
Verlinkten Gipfelgrat entlang mit etwas auf und ab und dann einen Singletrail steil bergab – schottrig, etwas felsig, aber gut laufbar. Unten angekommen ging es dann aber auch schon wieder steil hoch. Spätestens hier fingen sich meine Beine langsam an zu verabschieden, die ein oder andere Gehpause lies sich nicht vermeiden – den ersten Anstieg dann vielleicht doch etwas zu hart angegangen. Die Erkenntnis kam nun aber zu spät und so hieß es: die letzten 10 km durchbeißen bis ins Ziel. Zumindest ging es von hier fast nur noch bergab.
Die Kunst bestand nun eher darin, sich nicht im leicht dehydriert umnebelten und erschöpften Gesamtzustand irgendwo hinzupacken. Das gelang mir mit reduziertem Tempo glücklicherweise ganz gut. Wieder unten forderte eine ca. 2km lange schnurgerade Schlußgerade (ohne Schatten) mit kleinem Zwischenanstieg ab ins Ziel dann nochmal die mentale Stärke.
Aber dann war da das Ziel – 2:10h für den Halbmarathon mit 700hm – und ich persönlich tatsächlich mal wieder vollständig im Sack, so krass wie lange nicht mehr. Da war die Artour RTF vor 2 Wochen mit 240km und 3600hm ja ein Spaß gegen. Spaß hat das Ganze aber auf jeden Fall auch gemacht, ehrlich, hart und mit wunderschönen Ausblicken. Wie würde man in der amerikanischen Laufcommunity sagen: „good job“. Einen dicken Dank an den Veranstalter.
Dann noch nen Burger beim Stadtfest abgefasst und ab zum Flughafen. Und einen Vorteil hatte mein leicht zwischenkomaartiger Nach-Lauf-Zustand: Der Rückflug verging dann doch halbwegs ertragbar und nur 15h später mit einer Zwischenlandung hieß es Touchdown in Dresden – mit einer tollen Erinnerung an einen besonderen Lauf im Gepäck.
Es grüßt
der
Bruno
Und als Randbemerkung, falls der Arbeitgeber mitliest: Der Kunde war nach meinem Besuch auch zufrieden.





