Moritzburg 2017 — zwei Premieren

Barockman 2017

Es ist zwar schon wieder ein paar Tage her, aber nach den etwas längeren Sachen soll man sich ja für gewöhnlich auch etwas mehr Zeit zur Regeneration nehmen. Nachdem nun schon wieder 2 Wettkampfwochenenden mit kulinarischen Ligawettkämpfen und großen Preisgeldern vorbei sind, konnte ich inzwischen die Eindrücke meiner ersten Langdistanz in Moritzburg sammeln, sortieren und zusammenfassen.

Was sind die Gründe sich auf über 9h Wettkampf in 3 Disziplinen zu freuen? Warum sagt einem jeder vor dem Start man soll es genießen? Warum stellen sich der Herausforderung so viele und warum sind diese Menschen am Ende nicht (nur) Verrückte?

Am Ende sind es viele prägende Eindrücke, die mir einen tollen Tag gebracht hatten.

Angefangen hatte alles mit einem gemeinsamen Trainingslager in Freiburg Ende März. Dort konnten wir die Grundlagen für das bevorstehende Training der neuen Triathlonsaison legen. Wir hatten super Wetter für 2 Wochen Radeln, Laufen und Schwimmen. Totten gab mir einige seiner vielzähligen Langdistanzerfahrungen preis und seine Aussage „… wenn du am Start einer Langdistanz stehst, solltest du das Gefühl haben, gut vorbereitet zu sein“ war oft genug Motivation für harte Trainingseinheiten im Anschluss. Weiterhin konnte ich Werner Anderer kennenlernen, der durch Wurstsalat, Pizza und seine tolle Art Eindruck bei uns allen hinterließ. Und mit seinen gefühlten 36 Jahren (laut Pulsuhr ist sein biologisches Alter, ja sogar 30) war er ebenso wie ich voller Vorfreude auf die Langdistanz in Moritzburg. Wir verabredeten uns auf ein gemeinsames Wiedersehen im Zielbereich des Barockman.

Wochen des Trainings vergingen und der Tag X rückte näher, so nah, dass ich dann die Anmeldung direkt 7 Tage nach Anmeldeschluss abschickte. Wie ich im Nachhinein herausfand, kam meine Mail an dem Tag an als die Startnummern in den Druck gingen. Just in time nennt man das dann.

Am Tag vorher trafen sich die Athleten wie üblich bei Pasta und alkoholfreiem Bier. Ich konnte mich nochmal mit Christian Schröter, Bernd Kloppsch, Romy Stotz und Werner austauschen. So kurz vor dem Start war es eine tolle Athmosphäre, die Nervosität und Anspannung wichen so langsam der Vorfreude. Die Motivation, endlich loszulegen und alles aufzunehmen was kommt, stieg … und da sollte einiges kommen.

Ganz im Gegensatz zu mir wurde Pauline immer nervöser und erinnerte mich regelmäßig an die bevorstehenden Streckenlängen! Früh 7 Uhr war es dann soweit. Perfekte Bedingungen bei 15 bis 20° Celsius Lufttemperatur, wenig Wind und eine angenehme Ruhe vor dem Startschuss. Dann tief durchatmen, von 10 runterzählen und los gings…

Die 3,8 km Schwimmen liefen bei mir ohne größere Komplikationen durch. Immer jemanden mit gleicher Geschwindigkeit vor mir, konnte ich die aufgehende Sonne und das angestrahlte Schloss fast genießen.

Beim Wechsel aufs Rad waren zum Glück noch nicht so viele Zuschauer da. Martin und Jörg hätten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich beim Aufstieg aufs Rad mit meinem rechten Oberschenkel an meiner Satteltasche hängen blieb und mit dem linken Bein einen Ausfallschritt nach vorne machte. Leider konnte sich meine große Fußzehe bei dieser Aktion nicht wirklich mit dem Moritzburger Kopfsteinpflaster anfreunden. Das Adrenalin verbreitete sich …

Nach 2 Runden überholte mich Bernd und ein weiterer Starter auf der Langdistanz. Meinen Versuch, dort mitzufahren, brach ich aber nach nur wenigen Kilometern ab. Die Geschwindigkeit war für mich einfach zu schnell und der Tag sollte noch etwas gehen. Runde 3 lief dann irgendwie zäh. In Runde 4 entdeckte ich auf einmal MARCO-Schriftzüge auf der Straße. Waren die denn die ersten 3 Runden auch schon da? War da Pauline nachts unterwegs und hat meinen Namen auf die Straße geschrieben? Bin ich überhaupt gemeint? Komisch. In der Hälfte der 4. Runde wurde mir dann aber alles klar, Max und Marvin hatten sich am Streckenrand mit super „Outfits“ postiert und jubelten allen Athleten frenetisch zu, so auch mir. Das Gänsehautgefühl überdauerte den Rest der Runde. Klasse Aktion Jungs! Runde 5 und 6 lief es dann richtig gut, meine Geschwindigkeit der ersten Runden konnte ich bis zum Schluss gut durchhalten.

In der Wechselzone wurden mir dann 2 Pflaster in die Schuhe gelegt. So konnte ich meine Fußzehe abtapen und in die Laufschuhe schlüpfen. Nach den circa 4:40 h Rad kam nun noch der abschließende Marathon.

1 Runde = Laufen, Wasser, Iso, Wasser, Laufen, Wasser, Iso, Wasser, Gel, Laufen

Nachdem ich mich die erste Runde ziemlich gut gefühlt hatte, merkte ich schnell, dass es ab der 2. Runde nur noch darum gehen wird, durchzuhalten. So arbeitete ich mich Runde für Runde dem Ziel entgegen. Während des Laufes konnte ich am Streckenrand einige bekannte Gesichter ausmachen. Neben Pauline, die mich während der kompletten Strecke und darüber hinaus super unterstützt hatte, waren dort viele Freunde aus dem Verein und meiner Familie. Dieser Support ist wahrscheinlich nur bei dem „Heimrennen“ möglich und war an diesem Tag etwas ganz Besonderes. Die letzte Runde verging dann wie im Flug, mit 2:30 Minuten Rückstand nach vorne und 1 Minute 30 nach hinten kämpfte ich gegen aufkommende Krämpfe an und kam als guter 2. mit 9:00:30 Stunden ins Ziel. Christian und Bernd kamen nur knapp dahinter mit starken Leistungen als 4. Platz mit 9:06:34 Stunden und als 7. Platz mit 9:16:43 Stunden ins Ziel.

 

Romy konnte auf Grund eines Radsturzes Ihren Vorjahreserfolg bei den Damen leider nicht wiederholen. Gute Besserung auf diesem Wege! Wie ausgemacht, traf ich mich dann mit Werner im Ziel. Er finishte seinen Barockman in sehr guten 11:26:28 Stunden. Dies brachte ihm den 2. Platz in seiner AK. Respekt Werner! Nach Dopingkontrolle und Verarzten der Fußzehe verließ ich die Notfallaufnahme gegen halb 12. Ein langer Tag ging zur vollsten Zufriedenheit dem Ende entgegen.

Mit sportlichem Gruß

Marco Kühne

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