Triathlon am Alpe D’Huez 2013, Antje und Roland Herrmann
Dieses Jahr sollte es für uns, Antje und Roland, der Triathlon am Alpe d’Huez sein, das Bergabenteuer auf dem Asphalt der Tour de France.
Schon bei der Auffahrt zum Hotel 4 Tage vor dem Start war die Schrift auf der Straße noch ganz frisch. „FROOME dog“ stand da zu lesen, „Allez-hopp“ oder „Venga Alberto!!!“
Vier Tage sollten genügen, um uns an die dünne Luft und die angenehme vorübergehende Ferne vom Job zu gewöhnen. Das Hotelzimmer blickte auf die Wechselzone T2, was will man mehr? Gleich am Ankunftstag musste es sein: einmal den Alpe d’Huez runter und wieder rauf, 15 km mit knapp 1000 Höhenmetern, Rennluft schnuppern. Naja, ging ja ganz passabel, was sollte da noch schiefgehen am Renntag?! Diesen kleinen Hügel noch als Schlussanstieg – was soll`s? Am nächsten Tag noch eine Ehrenrunde im örtlichen Touristenpool und ein paar Probekilometer auf der schon vorbereiteten Laufstrecke – alles versprach einfach zu werden. Man hat ja schließlich am Hausberg trainiert!

Das Nette an einer Nicht-Langdistanz ist die relativ bürgerliche Weckzeit am Renntag. 6 Uhr genügt. Ein Stück Baguette mit Marmelade und ein Milchkaffee sind leicht genug als als Aufwachcocktail, mehr lässt der aufgeregte Bauch sowieso nicht rein. Jetzt bloß nicht kleckern auf das weiße Wettkampfgewand, denn auf dem Zielfoto sollen ja wenigstens die Klamotten noch gut aussehen… Dann ging’s ab auf’s Rad, eine lange rauschende Abfahrt runter ins Tal 1000 m tiefer zum Lac du Verney, wo die EDF einmal jährlich den Stausee zur Verfügung stellt und zu diesem Behufe die Stromproduktion einstellt. Das Wasser hatte 14 °C, Neopflicht war also angesagt. Naja, nicht nur dass ohnehin keiner freiwillig drauf verzichtet hätte, viele kletterten gleich wieder raus, um nicht vorzeitig vor Kälte zu erstarren. So verpasste auch ein Viertel der gut 800 Starter die Start-Tröte, die um 9:30 Uhr das Aufbruchsignal für die 2,2 km Schwimmen, 115 km / 3000 Hm Rad und 22 km Lauf gab. Die Sonne war gnädig und erwärmte bereits kräftig die Wasseroberfläche, so dass eine gute Wasserlage sogleich mit einem warmen Hinterteil belohnt wurde – wie nett! Für uns beide ist der nasse Teil des Triathlons so etwa das, was in einem klassischen Konzert das Schönberg-Zwölftonstück vor der Mahler-Sinfonie ist: Man muss da halt durch. Aber es ging ganz gut, und wir kamen beide im späteren Mittelfeld nach 45…46 Minuten ans rettende Ufer.

Das Profil der Radtsrecke hatte einen freundlichen Beginn, man hatte 24 km Zeit, die Gliedmaßen aufzutauen, sich mit hoher Frequenz einzukurbeln und sich gedanklich auf den ersten der drei Anstiege einzustellen. Übrigens besteht bei diesem Rennen durchaus Windschattenverbot, aber gerade auf dem ersten Stück wurde gelutscht wie an der Haribo-Probiertheke. Das ist dort aber tatsächlich schwer kontrollierbar, da auf diesen Straßen massenhaft Rennrad-Ausflügler unterwegs sind, so dass gar nicht so schnell gesagt werden kann, ob da einer zum Rennen gehört oder nicht; die Radstrecke ist nirgends abgesperrt.
Und schon landet man auf der Serpentine hinauf zum Alpe du Grand Serre. Die Website hat geraten, sich hier auf diesen ersten 1000 Hm noch nicht anzustrengen. 16 km Anstieg und nicht anstrengen… Aber mach das mal, wenn du vor dir eine Startnummer siehst, die deine AK hat! Da muss man einfach mal kurz Druck aufs Pedal geben und vorbei. Falls er/sie mich auf der Lauftrecke wieder einkassiert – macht nix, das merke ich ja nicht, denn da ist die Startnummer vorn!
Naja, wenigstens ist das ein ehrlicher Berg. Der nächste, hinauf auf den Col d’Ornon ist tückisch, weil er wenig ansteigt und einem vorgaukelt, durch die Ebene zu fahren. Man fragte sich: Hab ich einen Platten? Warum schnaufe ich so? Warum will die Kette immer nach links? False flat, faux plat, eingebildete Ebene. Und das im Tal des Todes, wie wir das Stück kurzerhand tauften, mit seinen 38 °C im Schatten (aber ohne Schatten). Freunde technisch interessanter Abfahrten wurden anschließend mit 15 km Genuss belohnt, entlang tiefer Abgründe, von denen uns nur ein knöchelhohes Mäuerchen trennte. Zwar voll konzentriert, erwarteten wir jetzt aber schon mit schauriger Vorfreude den namensgebenden Teil des Rennens.
Spätestens jetzt war Schluss mit der Aufnahme fester Nahrung, damit es zum Laufbeginn nicht mehr im Leib herumwabert. Bis dahin gab es je 15 km einen halben PowerBar-Riegel sowie ständig Wasser und Iso. Vor und nach jedem Anstieg waren sehr gut organisierte Verpflegungsstände aufgebaut, aber außer Wasser haben wir beide nichts unterwegs getankt, den Rest hatten wir dabei.

Die letzten 15 km, die Serpentine auf den Alpe d’Huez, waren doch nicht dasselbe wie bei der Proberunde 4 Tage vorher: gut 25 min länger benötigt. Das Schwimmen und die ersten 2000 Hm fordern halt ihren Tribut. Die Beine waren eigentlich unten am Beginn, bei Kurve 21, bereits leer. Aber irgendwie geht immer noch was… muss halt. Wenigstens gehörten wir nicht zu denen, die ihr rad schoben. Reichlich frustrierend war die Dame auf dem elektrischen Holland-Rad, die laut „Allez – Allez“ rufend überholte.
Geschafft! Und mit derart vorbehandelten Beinen mussten jetzt noch 3 Runden à 7,3 km zu Fuß absolviert werden. Man kann sich hier gern einreden, dass man ja zum Laufen ganz andere Muskeln aktiviert als beim Radfahren. Aber uns als Nordlichtern (Roland ist in DDNord geboren, Antje in Mecklenburg) macht die liebe warme Sonne dann doch etwas zu schaffen, so dass in diesem letzten Teil nicht die Kraftreserven, sondern eher die Hitzetoleranz der begrenzende Faktor war.
Von den 806 Startern erreichten 724 vor dem Zeitlimit von 12 Stunden das Ziel, Antje als 672. (AK 3.) nach 10h 22 min und Roland als 502. (AK 32.) nach 9h 11 min. Im Zielbereich gab es warme Whirlpools und kühle Fußbäder und eine tolle Zielverpflegung. Stolz wie Atze wankten wir in unser Hotel.
Wiederholung ist bereits geplant. Wenn man nicht um Plätze kämpfen muss, dann ist es besonders die Landschaft dort, die das Rennen zu einem Erlebnis macht.
Impressionen hier: >http://www.alpetriathlon.com/en/medias.html<
Die Herrmanns



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