Das war der Barockman 2012 mi LD Rookie Max
Nein, dazu gehören auch das Jahrzehnte vorher beginnendes stressige Training, manchmal bei miesem Wetter oder Stimmung; frühes Aufstehen, Askese am Kühlschrank, Enthaltsamkeit auf Partys; dann organisatorische und logistische Herausforderungen bei der An-und Abreise zum Event, weichgekochte Nudeln bei der Pasta- Party, vor und im Rennen viel Trinken und Essen von Glibberigem (wichtig: Eine Prise Salz dazu), und das alles Entscheidende: Eine größere Summe auf dem Konto, die man verschmerzen kann.
Eigentlich ist das aber nur die eine Seite der (Barockman-)Medaille und wie diese Einsicht kam, rekapituliere ich in Folgendem:
So wie TV- Ass Dirk und 113 andere, hatten sich auch mein Vater und ich für die lange Strecke entschieden. Obwohl ich eig. schon letztes Jahr direkt nach dem Abitur ein langes Ding machen wollte, wurde daraus aus verschiedenen Gründen „nur“ eine Mitteldistanz (3:44, mit Abiball am Abend vorher, von dem ich morgens nach Hause torkelte). Nachdem die Anmeldung für den „Barockman“ im Januar dann fix war, wurde mir dann auch erst voll bewusst, was ich mir da eigentlich vorgenommen hatte: das Doppelte. Dazu kam dann noch beim Durchblättern der Verbandszeitschrift das Bild von Dr. Carsten Neise auf der Matte im Ziel des Barockman. Ich nahm mir vor, in der Nacht vor dem Start keine alkoholischen Getränke mehr zu genießen.
Am späten Freitagnachmittag, dem Vorabend des 11. Schlosstriathlon, ging es nach Moritzburg. Ein Ort wie aus einem Märchen, mit Märchenschloss, Schlossteich mit mysteriösen Wasserwesen und verwunschenem Wald. Hier sagen sich Fuchs und Hase tatsächlich Gute Nacht. Rückblickend kann ich augenzwinkernd sagen, dass das Märchenhafte an diesem beschaulichen Ort sich dann auch auf meine erste Langdistanz ausgewirkt hat.
Der wohl längste Tag des Jahres begann dann mäßig ausgeschlafen um halb sechs bei leicht bedeckten Himmel; der Gaskocher zauberte das Frühstück und dann ab in die Wechselzone um die letzten wichtigen Dinge vorzubereiten. Nach einem kleinen Herzkasper wegen dem Material war ich dann endlich wach (Ventil am Schlauchreifen, Danke Papa) und wir watschelten schließlich an den Schwimmstart.
Pünktlich um 7 Uhr tönte dann am Westufer des Schlossteiches ein derart lauter Startschuss (keine Pistole, nein, eine Kanone), dass ich beim Schwimmen lange auf dem rechten Ohr taub war. Fische sind ja bekanntermaßen taub, das störte also beim Schwimmen nicht wirklich, dagegen eher schon, dass die Spitze schnell davonzog und ich mich mit zwei anderen Mitstreitern in einer Verfolgergruppe arrangieren musste. Ich glaube, die ließen mich dann auch den Großteil der beiden Schwimmrunden um die Schlossinsel vor ihnen Wasser beiseite schieben.
Ich sehnte mir Vereinskollege Jörg herbei, der jetzt wie im Montagsschwimmen vor mir an der richtigen Stelle gewesen wäre. Trotzdem hatte ich ein sehr gutes Gefühl im nassen Element und war überrascht, dass von hinten niemand nachzog. Also schwamm ich so, wie ich es für richtig hielt, mit langem Armzug und eher verhaltenem Beineinsatz mein Tempo. Kurz vor Schluss kam dann ein Staffelschwimmer an mir vorbei, ich ließ in gern gewähren, berührte mit den Händen auch schon den glitschigen Teichgrund und der nicht ganz unlustige Wat- und Hüpf- Teil in flachem Wasser bis zum Schwimmausstieg begann.
Vermutlich lag es noch an der Taubheit im Ohr, ich hörte beim Einlauf in den Wechselgarten zwar meinen Namen, und sah die motivierende Zeit (53:58), aber nicht die Platzierung. Ich achtete dann auch hauptsächlich an das Naheliegende: Aus dem Neo herauswinden und mein Rad finden. Beides klappte gut, bei inzwischen klasse Wetter begann dann also der Teil auf zwei Rädern. Ich fing schon auf der Anfahrt zur Radrunde an zu Essen und zu trinken was das Zeug hielt, dachte dann auf dem Paris-Roubaix-Gedächtnispflaster kurz an Dirk, von dessen Rad sich hier beim letzten Training einige Dinge losgesagt hatten. Ich ahnte noch nicht, was mir auf der Rückfahrt selber blühen sollte.
Kurz vor der Abfahrt nach Moritzburg kam dann die große Überraschung in Form des Führungsfahrzeugs. Ich wurde gefragt ob, das auch die letzte Runde sei, überlegte vorsichtshalber noch einmal, bestätigte und fuhr dem Cabrio hinterher, der Wechselzone entgegen. Schwer zu beschreiben, wie überrascht und glücklich ich war.
Auf dem legendären Pflasterstück wurde ich dann schnell wieder auf den Boden geholt (fast wörtlich). Schon während der letzten Runde hatte sich der rechte Auflieger des Zeitfahrlenkers leicht nach unten gedreht, ich hatte das hochpreisige, empfindliche Carbonteil einfach nicht zu stark anschrauben wollen. Dumm, denn während ich es in der Hand hielt, rutschte das Ding durch die enorme Rüttelei plötzlich in Fahrtrichtung aus seiner Halterung. Ich flog fast vornüber, konnte das Gleichgewicht aber mit Glück wieder finden. Der Auflieger war weg. Er klimperte nun nur noch am Lenkerendschaltkabel hängend im Vorderrad und drohte von den Speichen in die Gabel mitgerissen zu werden. Beherzt griff ich zu und schaffte es ohne Anzuhalten und in einem Kraftakt das Teil wieder in die Führung zu drücken. An diese Stelle möchte ich mich recht herzlich bei meinem Schicksal bedanken.
Das Einfahren nach Moritzburg und in die Zuschauergasse war dann mehr als nur eine Entschädigung für den Schreck. Kurzgesagt: Ich habe noch nie so ein Aufheben um meine Person erlebt. Nach kurzer Orientierung fand ich den Eingang in die Wechselzone, und wechselte was das Zeug hielt, denn es war klar: Mein Rad war das erste hier. Martin rief mir dann hinter Gittern im Wechselgarten noch etwas von 8min Vorsprung zu, nach seinem Gesicht zu urteilen auch kein Scherz.
An den Orten, wo Zuschauer standen, wo mich meine Mutter, Großeltern und Vereinskollegen anfeuerten, fiel das Ringen im Kopf natürlich deutlich leichter. Dank hierfür an Martin und die anderen! Eine weitere Ablenkung waren die Verpflegungsstellen. Ich versuchte genug Gel zu “essen“ und schnappte den freundlichen Helfern möglichst immer gleich zwei Trinkbecher aus der Hand. Inzwischen, ab Runde 3, wimmelte es von Athleten auf der Strecke, ich wurde oft überholt und versuchte immer wieder Läufer mit ähnlich langsamem Tempo zu finden. Schließlich fand mich dann ein Läufer und ermöglichte mir durch seine kompetenten Ratschläge und wohltuenden Worte einen kompletten Einbruch zu vermeiden. Der wäre sicher gekommen, sobald ich mit gehen angefangen hätte. Ich konnte mich sogar Aufrappeln, den optimalen 5min pro Laufkilometer wieder näherzukommen: Dein Verdienst, Marcel. Auf der vierten Runde gab mir ein netter, namenloser Athlet, mit dem ich kurz Leidensgeschichten austauschte, den Ratschlag : „Nimm Salz, das hilft“. Er drückte mir sogar seinen eigenen Vorrat in die Hand, unglaublich, diese Triathleten. Dankbar, aber etwas skeptisch zerbiss ich die Salztabletten und spülte mit Wasser nach. Als Sportler nimmt man ja alles, was einem angeboten wird. Nach einiger Zeit fühlte ich tatsächlich eine leichte Lockerung in den sonst so störrischen Oberschenkeln. Wegen dem Salz trank ich aber nur noch Wasser statt Iso, vielleicht ein Fehler, denn auf der vierten Runde spürte ich Schwindel wegen mangelhafter Elektrolytversorgung. Ich versuchte noch zu reagieren, nahm dann nur noch die Flüssigkeit mit der seltsamen Farbe zu mir, doch auch auf der fünften Runde spürte ich noch ein leichtes Drehen des Bodens. Meine Oberschenkel fingen zusätzlich langsam aber sicher an, zu zwei Betonblöcken zu mutieren. Ich versuchte Marcels Tipps und Tricks umzusetzen und daran zu denken, wie läppisch doch die verbliebenen10km waren. Es blieb eher beim Versuch. Auf die letzte Runde gab Martin mir noch mit auf den Weg, „wie ein Hirsch durch den Wald zu laufen“. Die letzten einstelligen Kilometer lief ich zwar nicht wie ein Hirsch, stellte mir das aber zumindest vor, denn es waren ja tatsächlich auch Jäger hinter mir her. Ehrgeiz war spürbar, die Schritte wurden länger, ich dachte wieder an die Platzierung, der Kopf hob sich und ich gab nochmal alles was unter der Haube steckte. Den letzten Kilometer lief ich dann nicht mehr wirklich, sondern wurde mehr von den Unterstützern und Jublern an der Strecke bis ins Ziel getragen. Frühestens der rote Teppich gab mir dann das Signal: Du kannst langsam ans Aufhören denken. Als ich die Zielline sah, wurde mir klar, dass jeder Meter, der hinter dieser Linie auf mich zukommt besser sein wird als alle bisher zurückgelegten Kilometer zusammen. Die Uhr zeigte 9:15 als ich die Linie mit einem Lächeln überschritt. Dirk tat dies bei 9:47 (6.), Mein Vater kämpfte bis zum Sonnenuntergang und kam nach 13:21h (86.) an.
Nochmals Dank an die Vereinskollegen für die tolle Unterstützung im Training und Wettkampf,
Besonderen Dank meiner Familie.
Euer Max



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