Ironman Frankfurt 2011– oder doch eher Steelman Frankfurt 2011?
Meine Freundin Jule und ich reisten bereits am Donnerstag an, um möglichst wenig Hektik zu verbreiten. Naja, wie eigentlich immer war die Hektik trotzdem da, oder war es doch einfach nur die Nervosität?! Das vorletzte Training hieß 50 km Rad locker GA1, diese spulte ich gemeinsam mit Jule im Schlepptau locker ab (waren am Ende auch nur 30 km). Das finale Schwimmen musste ich aus Zeitgründen an dem Tag sausen lassen, dafür gab es lecker Käsespätzle. Am Freitag dann ging es los mit Wettkampfbesprechung, Startnummern abholen und Laufstrecke inspizieren. Natürlich haben wir auch die Sportexpo besucht, bei der u.a. eine neue klare Schwimmbrille heraussprang für mich.
Am Samstag stand dann das wirklich finale Training, eine 20-5 Koppeleinheit GA1 auf dem Plan. Diese Einheit genoss ich regelrecht, war es doch der Abschluss von einem Jahr hartem Training – was in Gedanken nur so an mir vorbeiflog. Es gab harte und schmerzhafte Momente, wie z.B. eine Wadenverletzung, ein Radsturz oder noch eine Achillessehnenverletzung, und es gab schöne Momente, viele Trainingseinheiten mit Freunden, viel Zeit zum Nachdenken über Dinge von Arbeit usw.. Letztlich war das Training schnell um, mit einem guten Eindruck was das Körperempfinden anbelangte. Im Anschluss galt es, das Rad fertig zu machen für den Check-In und meine Wechselbeutel zu packen. Noch nie habe ich meine Sachen so oft überprüft, bei diesem einen Mal durfte einfach nichts fehlen! Der eigentliche Check-In später am frühen Nachmittag war schnell vorüber, sodass ich noch mit Jule und mehreren Freunden an den See und gemütlich essen konnte – einfach nochmal die Ruhe bzw. das gesamte Geschehen genießen.
Kaum waren wir wieder zurück im Hotel stand schon die letzte Nacht vor der Tür. Ich habe nur noch leichte Kost zu mir genommen und nebenbei alle Sachen für den Wettkampftag gepackt. Insgesamt konnte ich sehr gut schlafen, trotz der Aufregung. Jule hingegen kam nicht so ganz zur Ruhe – sie war mindestens genauso, wenn nicht sogar noch mehr angespannt als ich. Kurz vor 4 Uhr früh am Sonntag klingelte der Wecker. Wir hatten ein Hotel erwischt, welches extra für die Triathleten das Frühstück so zeitig servierte. Ich aß gemütlich meine zwei Semmeln mit Honig, mehr wollte ich auch nicht.
Anschließend ging es mit dem Auto zum Langener Waldsee, wo schon so einiges im Gange war. Ein reges Treiben aus Zuschauern, Neoprenträgern (bereits anderthalb Stunden vor dem Start) und unzählige freiwillige Helfer wuselten in der Gegend rum – es war einfach faszinierend da mal mitten drin zu sein. Die Temperaturen bzw. das Wetter waren zu dem Zeitpunkt noch in Ordnung, es war kalt, aber noch mit teilweise Sonne am Himmel.
Der Wechsel hin zum Rad bedeutete für mich komplett umziehen. Der Wettergott meinte es nicht gut an dem Tag – es waren Regen bei geringen Temperaturen angesagt. Ich zog also schön meinen Zweiteiler an, Knielinge, Ärmlinge und ein weiteres Radtrikot. Leider dauerte der Wechsel 6 min, wobei man aber auch wirklich weit laufen muss ;-). Auf dem Sattel Platz genommen und die erste 100 Meter gerollt, fing es an mit Regnen – juhu. Die äußeren Umstände kannte ich nur zu gut, das Wetter dieses Jahr ist wirklich nicht so toll. Nach einem lockeren Anfahren auf dem Zubringer zur Radrunde hatte ich meinen Tritt gefunden, die Beine waren gut alles lief nach Plan. Bei Kilometer 40 genau standen dann Jörg und Carsten an der Strecke, mitten im Feld an einer Kreuzung – da war meine eine Satteltrinkflasche schon rausgefallen. Nach unzähligen Triathleten mit Plattfuß am Straßenrand und mehreren gestürzten Sportlern im Krankenwagen liegend später kam ich zu Kilometer 86, kurz vor Ende der ersten Runde. Es war ein Anstieg mit Verpflegungsstation und einem folgenden Kreisverkehr. Carsten rief mir noch „30 Sekunden vor dir ist Sven“ am Anstieg zu, und schon erwischte es auch mich 200 Meter weiter hinten. Ich kam wirklich sehr langsam in den Kreisverkehr rein, aber kaum das ich mich leicht nach links lehnte, zog es mir das Hinterrad weg – Sturz! Ich konnte es in dem Moment erst nicht richtig glauben, warum ich eigentlich stürzte – oder bin ich doch einfach nur umgefallen weil ich zu langsam in der Kurve war?! Schnell das Material und mich selber gecheckt, schon ging es wieder rauf auf den Bock. Neben dem starken Wind, dem Regen und den kühlen Temperaturen kamen nun noch Schürfwunden an Knie, Hüfte, Ellenbogen und Fingern hinzu, spitze! Mir blieb nichts anderes übrig, als das Adrenalin zu nutzen und den Rest der Radstrecke ordentlich durchzudrücken, was auch ganz gut gelang.
Pünktlich nach 6 Stunden und einem guten zweiten Wechsel ging ich auf die Laufstrecke, welche von Beginn an von unzähligen anfeuernden Menschen umrandet war – einfach genial eine solche Atmosphäre mal als Sportler zu genießen. Die ersten 20 Kilometer konnte ich gut mit 4:20 min/km anlaufen, das war auch das Ziel. Da ich noch nie einen Marathon bzw. Ironman mitgemacht hatte, wusste ich nicht was mich erwartet – und im Training kann man so etwas nur schwer simulieren. Ausgehend von der Prellung an der rechten Hüfte fingen dann die Schmerzen dann in der dritten Runde an, kurze Zeit später war auch die rechte Seite dran. Zu dem Zeitpunkt war auf der Laufstrecke schon sehr viel los, sodass man gut aufpassen musste, wann man wen überholt, um am nächsten Verpflegungspunkt auch alles abfassen zu können – für mich gab es die ersten drei Runden zwar nur Wasser, aber das war mir umso wichtiger. Das Wetter spielte auch jetzt immer noch verrückt, Wind ohne Ende, Regen aus allen Himmelsrichtungen, und warm war es immer noch nicht wirklich geworden. Vom Kopf her gab es nur eins, Augen nach vorne und konzentriert das Ding zu Ende laufen. Mit viel Cola und zwei kurzen Gehabschnitten bei der Verpflegung in der vierten Runde konnte ich den „final tube“ nach 3:15 Stunden erreichen. Leider war ich zu dem Zeitpunkt geistig schon so im Nirvana, dass ich von der Atmosphäre am Römer mit der riesen Tribüne und den zig Menschen nichts mitbekommen habe. Was ich noch weiß ist, dass ich ins Ziel gelaufen bin und von einem Helfer aufgefangen wurde. Später im Sanitätszelt habe ich dann erstmals meine Schürfwunden gecheckt – und die kaputten Klamotten, toll!
Später erfuhr ich dann meine genaue Platzierung, 4. der Altersklasse M25 und 38. insgesamt – einfach genial! Nur eins frage ich mich: Viele meinten, das waren die härtesten Bedingungen, welche seit den 10 Jahren IM Frankfurt herrschten. Eisen rostet bekanntlich bei Feuchtigkeit. Ich finde aber, das passt nicht zu einem Eisenmann. Meiner Meinung nach sind alle Athleten, welche am Sonntag die Zielflagge erreicht haben nicht aus Eisen, sondern aus Stahl, rostfreiem Stahl!



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