Hawaii 2010 – mit „The Unknownspecies“ alias Toralf
Dass ich bei Tageslicht über den Zielstrich trudelte, übertraf meine Erwartungen, denn wie gewohnt versank meine unmittelbare Wettkampfvorbereitung im Chaos.
Pünktlich vor der Abreise nach Kona hatte ich mich noch mit einem kleinen Vorrat an Bakterien aus dem Kindergarten unseres Zwergs versorgt und erfreute mich einer soliden Mandelentzündung.
Am Dienstag vor dem Rennen war das Gröbste ausgestanden und ich absolvierte die erste Trainingseinheit: Schwimmen auf der Wettkampfstrecke.
Danach schleppte ich mich mit Bauchschmerzen zurück ins Hotel und war mehrfach versucht, die Kloschüssel anzubrüllen. Die zwei Liter frisch gezapftes Salzwasser und das Frühstücksmüsli hatten offensichtlich eine kleine Rangelei in meinem Magen.
Die nächste Trainingseinheit, ein „lockerer“ Lauf auf dem Alii-Drive war auch nicht unbedingt eine Endorphinorgie. Die Konkurrenz donnerte mit einem Affenzahn an mir vorbei und, obwohl ich mich einer straffen Körperhaltung befleissigte und immerhin um die 4:15 pro Km lief, kam ich mir vor wie ein Freizeitjogger.
Die Straße war der reine Laufsteg. In diesem Jahr trägt der modebewusste Triathlet übrigens vorwiegend Waschbrettbauch und M-dot Tattoo, selbstverständlich abgerundet mit Kompressionssocken bis knapp unter die Achseln.
Diese Trainingseinheiten wiederholte ich, in abgeschwächter Form, bis Freitag und war froh, dass das Rennen endlich näher rückte. Schlafen konnte ich sowieso nie so richtig, also warum noch lange rumtrödeln.
So stand ich also unwiderruflich am Start des angeblich härtesten ironman der Welt. Die Bedingungen waren sehr gut, kaum Wind und folglich keine großen Wellen.
Die Klopperei am Schwimmstart war wieder heftig und wollte sich so gar nicht auflösen. Bis zur Wende hatte ich entschieden mehr menschliche Nähe als mir lieb war. Ca. 5 min. nach Ende dessen, was man noch als vernünftige Schwimmzeit durchgehen lassen kann landete ich, gut durchgerührt, am Pier.
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Die einzige Aufregung bot sich kurz nach dem Wendepunkt. Der heftige und böige Seitenwind versuche die Athleten von ihren Rennflundern zu wehen, leider teils mit Erfolg, und bescherte dem Wettkampfarzt die ersten Sturzopfer. Der Rest des Feldes mäanderte sich, krampfhaft an die Lenker geklammert, vorsichtig ins Tal.
Irgendwie wollte mir die Kurbelei diesmal nicht so richtig gelingen. Da ich aber sogar für die langsam aufkeimende Zielsetzung „daylight-finisher“ (in diesem Jahr 11:03h) gut in der Zeit lag, versetzte mich dieses nicht sonderlich in Panik. Nach 5:22h war ich wieder im Wechselgarten und hatte immerhin ca. 400 Plätze gutgemacht.
Vor dem unausweichlichen Marathon hatte ich gehörigen Respekt. Man hörte ja eigentlich nur Gruselgeschichten über die bevorstehende Hitzeschlacht. So richtig gefroren habe ich tatsächlich nicht, aber mit ein paar Eiswürfeln unter der Laufmütze waren die 1,6 km zwischen den Verpflegungspunkten ganz gut zu überbrücken.
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Am Ende erschallte das obligatorische „You are an ironman“ des Zielsprechers. Diesen Verdacht hatte ich zwar schon in Moritzburg, 2 x Roth und Frankfurt, aber nun wurde es endlich mal offiziell verkündet.
Ob mir mein Rennen ewig in Erinnerung bleiben wird, weiß ich nicht, aber das ganze Drumherum dieser größten Werbeveranstaltung der Welt bleibt sicher unvergesslich.
Die ganze Stadt war eine Woche lang in Aufruhr: jeder Einheimische zelebrierte seine Bewunderung für die „Verrückten“ und 6000 Freiwillige, von denen die meisten auf eigene Kosten nach Kona gekommen waren, hatten nur ein Ziel: jeden von uns ins Ziel zu bringen.<
Wenn man die Weltelite unseres Sportes nicht schon im Flugzeug oder Hotel zum Nachbarn hatte, so sah man sie zumindest zwei Mal auf der Rennstrecke ihre Schlacht austragen, es sei denn, man war erheblich schneller als ich. Aber sowas macht man ja nicht.




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