Transalpine Run – Annett Finger
Ich will Kühe – 08. September 2010
Hää, Moment mal…Nein, die habe ich doch den ganzen Tag. Dann eben einen Cocktail. Wie ich darauf komme? Ganz einfach. Heute habe ich den bisherigen Tiefpunkt der Tour erreicht. Das Gute Laune Barometer ist auf -5 abgesunken. Nun musste ich motivierend ganz schön aktiv werden. Also gute Musik ins Ohr, denn ihr wisst ja – der Rythmus, wo Frau mit muss. In dem Fall war elektronische Tanzmusik angesagt und da kam mir Freundin Nicole in den Sinn, mit der ich immer zum Tanz ausgehe (liebe Grüße an der Stelle). Ich habe an nette gemeinsame Abende gedacht und bald folgende, wenn ich all das hier überstanden habe 🙂 Dance, dance, dance to the music… Dann naschen wir mindestens einen feinen Drink. Soweit also der Zusammenhang.
Jedoch erst die Arbeit und dann, na ihr wisst schon. Fakt ist wir hatten uns heute auf eine regenrative Etappe von „nur“ 29 km eingestellt, dann jedoch die Hiobsbotschaft am Morgen: wegen Erdrutsch eine Ausweichroute von zusätzlichen 5 km und 300 HM. Mmh, na gut also ab die Post in Richtung Bretterscharte (2537 HM). Wie an einer Perlenschnur reihte sich die wilde Läuferschar in Richtung Wolkendecke. Ein verrücktes und schönes Bild zugleich. Doch dann bergab, aua. Oberschenkelschmerzen. Das Knie? Hoffentlich nicht! Schnell wieder hoch, das ging deutlich besser. Am Ende noch mehr Aua. Da wurde schon mal mit dem Stock aufgestampft und die Hörnlein ausgefahren. Doch was eine richtige Bergziege ist, die darf auch mal Hörnlein zeigen 😉 und meckern ist vom Veranstalter ausdrücklich erlaubt. Puh, Glück gehabt.
Im Ziel dann die Diagnose: Oberschenkelreizung. Nun sitze ich eine physiotherapeutische Behandlung sowie einen Tapeverbadn später hier in meinem Schlafsack und hoffe, die letzten „läppischen“ drei Touren noch hinter mich zu bringen. Ich will, ich will, ich will an den Drei Zinnen vorbeiflitzen und Sexten laufend erreichen.
Ach so eine Neuerung noch: nachdem wir die letzten Nächte luxuriös in Pensionen verweilt haben, sind wir nun aufs Camp umgestiegen, denn wenn schon denn schon, dann wollen wir das Event auch nochmal von der Basis aus erleben. Mal schauen was die Nacht so bringen wird 🙂
Laufen lassen – 09. September 2010
Die erste Nacht im Camp liegt hinter uns und eigentlich war es sehr ruhig. Eigentlich, wenn da nicht ein Schlagzeugspieler in irgeneinem Nachbarraum gewesen wäre, der 23 Uhr nachts etwa 200 Läufer mit Spielversuchen (es klang jämmerlich) malträtiert hätte. Puh.
Ansonsten gibt es heute gar nicht so viel zu berichten. Warum? Weil es einfach nur lief. Beide hatten wir nach der gestrigen Horroretappe noch mehr Respekt, fast ein wenig Angst, doch die Route kam uns absolut entgegen.
Die ersten 20 km flach, dann ein, mal von den letzten Metern abgesehen, glecihmäßiger Anstige zum berühmten Kronplatz hinauf und wieder runter. So einfach ist das oder kann es sein. Die 39,7 km und 1512 HM flogen förmlich an uns vorbei, so schnell, dass wir 5. Frauenteam in der Tageswertung wurden. Grandios.
Also, nun noch zwei Mal aufstehen und bissl rennen und schon ist es vollbracht. Also dran bleiben.
„Life is like a coin“ – 10. September 2010
… you can spend it anyway but you can only spend it once. This is a great way to spend life“. So spricht es ein Teilnehmer auf dem aktuellen Trailer der Veranstaltung Recht hat er. Bei allen Strapazen, ist es doch ganz schön gewaltig, dass hier mitzuerleben und das Ziel in greifbarer Nähe zu wissen.
Heute war die bisher imposanteste Etappe. Es ging von St. Vigil, vorbei am Prager Wildsee nach Niederdorf, hindurch durch die schönen schroffen Riesen der Dolomiten. Gigantisch!!! Immer wieder haben wir den Kopf links und rechts rotieren lassen und den Blick genossen.
So langsam merke ich auch, dass ich gedanklich etwas lockerer werde, denn die 7. Etappe gehröt seit einigen Stunden der Vergangenheit an und morgen geht es dann „nur“ noch 33 km nach Sexten ins langersehnte Ziel.
Ansonsten kann ich als Andenken noch zwei chice Zehen anbieten (siehe Foto), die habe ich nämlich seit gestern auf dem Gewissen. Aua. Heute Morgen musste ich sogar die Blasen, die sich dahinter geblidet haben öffnen lassen 🙁 Naja, alles hat eben seinen Preis. Und mit zwei verlorenen Zehen bin ich noch gut im Rennen, wenn ich sehe, wie ansonsten so an den Teilnehmern herumoperiert werden muss… Ist schon ein verrücktes Bild, auch wenn man nach dem Rennen ins Camp kommt und einige der Starter völlig neben sich im Schlafsack kauern. Aber das nur am Rande, das wird in keinem der Filmchen zu sehen sein, aber gehört eben zum Alltag eines solchen Events.
Mittlerweile sind 6 der 16 Frauenteams ausgeschieden, das sind mal eben 37%. Muss ich noch mehr sagen? Es zeigt, wirklich wie stolz wir sein können. Insgesamt sind noch 192 der 273 Team im Rennen. Ohne Worte…
Und die Moral von der Geschicht? – 12. September 2010
Gibt es nicht. Zum Ersten wurden die Grenzen wieder einmal ein stückweit verschoben, ob dies nun gut ist oder nicht, kann ich noch nicht sagen. Ebenso wenig, ob ich dies noch einmal mitmachen möchte. Es war verdammt hart, physisch als auch psychisch. Mitstreiter, die in den Vorjahren bereits dabei waren, auch auf der anderen Westroute, sagten uns das es dieses Mal besonders anspruchsvoll war – wow, und wir halten nun unsere Medaille in der Hand.
Zum Anderen sollte man die Geschichte keinesfalls unterschätzen. Ich bin da ja manchmal etwas blauäugig, gebe ich zu und melde mich einfach irgendwo an, ohne mich intensiver damit zu beschäftigen. Auch hier war dies so. Klar hart ist das Eine, aber noch härter das Andere. Die Trailer sehen grandios aus und machen unheimlich Lust auf mehr, doch hinter den Kulissen ist es schon ein wenig anders, manchmal fast ein wenig beängstigend, wenn man sieht wie weit Menschen gehen können, gerade in gesundheitlicher Sicht. Und man sieht auch Tränen. Tränen der Enttäuschung, weil es eben nicht bis zum Ziel reicht. Gerade in diesem Jahr, sind schlussendlich 33% der Teams nicht ins Ziel gekommen.
Noch ein kleiner Tipp zur Partnerwahl: achtet unbedingt darauf, dass ihr gut harmoniert ohne das wird es nicht funktionieren, denn ihr werdet oft am Limit sein. Da ist es einfach wichtig aufeinander einzugehen. Vielleicht ist dies ja auch der ultimative Paartest 😉 Letztendlich geht es für die meisten von uns doch auch gar nicht um die vorderen Ränge. So just enjoy, have fun and finish!
Nun genug davon. Die Taschen sind endlich ausgepackt, die erste Waschmaschine läuft und ich freue mich einfach nur auf Ruhe sowie mein eigenes Bett.
PS: schaut mal unter dem folgenden Link. Das sind die ersten Best of Fotos vom Lauf. Diese Impressionen sprechen mehr als 1000 Worte.
LG Annett



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