Olympische Distanz
Mein erster Eindruck, als ich zum Sportplatz am Badesee Birkwitz kam, war: „Alles recht übersichtlich!“. Das doch etwas frische Wetter am Sonntag hatte vermutlich die nicht vorgemeldeten Schönwettersportler auf der Türschwelle umdrehen lassen und der zufällige Zuschauer musste bei den spärlichen Tröpfchen eh schnell in den Garten und sehen, dass auch alles in die nach den reichlichen Sonnentagen schon durstige Zisterne fließt. Aber zum Trost und zur Anerkennung für alle, die dennoch erschienen waren, wissen wir ja, dass sich jeder Wettkampf eh nur von hinten auffüllt. Das heißt die potentielle Gegnerschaft war vermutlich da. Andreas (Jalowi) hatte mich gefragt, ob ich in seiner bescheidenen Staffel mitstarten wolle und ich hatte stolz ob der Ehre zugesagt. Da er mir aber die schweren Sachen wohl doch noch nicht wirklich zutraute, durfte ich nur schwimmen. Er hatte auch noch den Roland mitgebracht und der wiederum sein Rad und einen Helm, den er auch hätte zu Hause lassen können. Der war nämlich kaputt und die Kampfrichter liessen sich beim Check-In einfach nicht überzeugen, dass es in Wirklichkeit auf Gutes Aussehen ankommt. Glücklicherweise hatte ich die ganze Familie mit und obwohl Adam und Rika in ihrer Rikscha vermutlich aus Eitelkeit auf den Helm verzichtet hatten, konnte Margrit, die wie ich mit dem MTB angereist war, ihr Rotkäppchen beisteuern. So bekam Roland irgendwie etwas Feminines. Da die Beine auch schon rasiert waren, nicht ganz unpassend. Andreas seinerseits hatte sich für die letzte Disziplin entschieden und dafür ein enges Höschen angezogen, dass ich schon lange nicht mehr bei ihm gesehen hatte. Aber es passte noch. Und das ist ja das wichtigste.
Wie ich schon andeutete, es nieselte und ich fing 15 Minuten vor dem Start so richtig an zu frieren und zu zittern. Also ab ins Wasser- und welch Glück, da hatte jemand aus dem Birkwitzer See eine Therme gemacht und das ganz kostenfrei. Mit 26/27 Grad war der See stolze 9 Grad wärmer als die Luft. Über die Konkurrenz hatte ich keine Übersicht. Allein bei Margrit, die heute mit Anne und Virginie eine reine Damenstaffel starten wollte, war ich mir sicher, dass ich zumindest die Beine würde halten können – oder fast. Schließlich hatte sie am Vortag, gleich der Virginie und der Anne schon die Sprintdistanz absolviert. Nachdem das Starterfeld von 10 runtergezählt hatte, ging es bei 1,5 los und rechts und links spritzte das Wasser. Wie so oft für ca. 70 Meter. Dann wurde es wieder ruhiger. Aber nur rechts. Bei einem Blick entgegen meiner Atmungsrichtung bemerkte ich ein bleibendes Spritzen rund um eine knallig orangefarbene Badekappe. Das waren meine Krabbelfüße! Na, ich musste mich dann auch reichlich strecken und glaube, dass der da vor mir (Christian Pfeiffer – Schwimmer beim DSC) bei meiner geringen Krabbelfrequenz nicht so recht zum Lachen kam. Er soll sich nur nicht beschweren, es lag an ihm. Ich hatte alle Mühe zumindest 3-4 Mal Kontakt aufzunehmen. Da wird das Zwerchfell natürlich nicht gereizt. Nach 750 Meter war ich seiner Ignoranz wegen beleidigt und hielt einen „Qualitätsabstand“ der bis auf ca. 25 Meter anwuchs. Am Ende der zweiten Runde drängelten sich noch ein paar Schwimmer auf, die extra langsam geschwommen und noch in der ersten Runde waren, um auch gekrabbelt zu werden. Aber da keine hübschen Füße dabei waren, wollte ich nicht. Der Ausstieg machte Laune, alle 7 Zuschauer klatschten frenetisch und trugen mich unter stetig tosenden Ovationen förmlich den Anstieg zum Wechselgarten hinauf – oder so.
Als ich da hinein lief, war Roland der einzige, der am Wechselbanner stand. Mann, dachte ich, war der Rückstand auf die Staffel vor uns doch so groß. Nach dem Abschlag und ein paar Sekunden Verschnaufpause tauchte plötzlich ein Kopf aus den Rädern im Wechselgarten auf. Der Christian hatte dieses Mal gar keine Staffel, sondern wollte ganz alleine durchziehen – wacker!
Nach kurzer Rücksprache mit dem Fachpublikum ging ich noch ausschwimmen, als ich merkte, dass ich das erste Mal in diesem Jahr Laktat im Latisimus hatte. Wieder zurückgekehrt, sah ich Roland auf Andi wechseln, der sich mal ordentlich gekämmt hatte. Dahinter folgte eine Staffel mit einem wild auffahrenden Jonathan Derix und die Equipe um André Zais. Im Einzel führte Mario Britz, SCDHfK Leipzig vor dem Vorzweijahressieger Michael Grahl (DW). Andi strengte sich an und lief das Ding nach Hause. Christian Flegel, der Läufer von André erkämpfte sich mit ca. 30s schnellerer Laufzeit als der Andi den zweiten Platz vor einer Staffel vom SV Elbland Coswig Meißen um Robin Duha und gewann damit die Mixed-Wertung. Unsere Damenstaffel (Margrit / Anne / Virginie – zur Erinnerung) wurden Zweite und freuten sich riesig, genau wie Patricia Rennau, Frank- und Felix Urbitzsch, die bei den Mixed-Staffeln 2.’e wurden.
Michael Grahl fing Mario Britz im Einzel noch ab und dritter wurde Thomas Galle, SC Riesa vor Christian Pfeiffer. Unser Vereinsvertreter, der Andi Theile lief auf Platz 6 ebenfalls noch in die Top Ten. Bei den Frauen entschied Susi Pawel das Rennen auf dem Rad für sich und lief dabei hinten drauf sogar eine gute 45’er Zeit. Zweite wurde Uta Knappe aus Dresden vor Silvia Schlegel aus Döbeln. Im Ziel gab es reichlich von allem: süß, wie deftig und zum Nachmittag wurde es sogar wieder wärmer. Unsere Staffelzielzeit lag am Ende bei unter 1h52min. Ach ja, was alles möglich wäre, wenn man nur Talent hätte… Auf jeden Fall wars recht familiär und hat Spaß gemacht.
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