Erlebnisbericht Roth 2010 – Wir machen einen Wettkampf
Vor neun Jahren war ich schon einmal als Zuschauer in Roth. Damals waren noch Lothar Leder, Jürgen Zack und Peter Reid aktuell. Timo Bracht brachte es als Altersklassenathlet auf eine Zeit von 8:45h und auch Faris Al Sultan war noch „Junior“. Nina Kraft reichte eine 9:24h zum Sieg bei den Frauen. Inzwischen ist alles anders. Roth ist kein Ironman-Rennen mehr und es entstand eine eigene Marke, Quelle ist nicht mehr Sponsor weil nicht mehr existent und die alten mussten neuen Stars weichen. Und noch etwas ist anders – heute ist die erste Frau eine Stunde schneller.
Glücklicherweise hatte Dirk sein Diplomarbeit und Karo ihr Abi schon fertig und so zuckelten wir im elterlichen Bettmobil Richtung Roth. Wir konnten direkt am Main-Donau-Kanal zelten. Der Start war von hier aus zu sehen und der Rothsee befand sich in unmittelbarer Nähe. Beim Abendessen haben wir die Aufbauten der Schiffe hinter dem Damm entlang tuckern sehen. Auf der Straße vor unserer Nase fuhren auch schon die ersten Athleten fleissig auf und ab. Dies waren nämlich die ersten Kilometer der Radstrecke. In der Nacht gab es ein super Gewitter. Dirk wunderte sich, welches Auto seine Scheinwerfer direkt auf sein Zelt richtete.
Frühen Mittag am Samstag kamen Kim und Tobi und wir liesen unser fachmännisches Auge über das Material wandern. Holger und Nico waren inzwischen auch zu uns gestossen. Bevor Tobi seine Transe im Wechselgarten abgeben konnte, musste wir noch nach Roth-City und die Startunterlagen abholen. Der Check-In war in den letzten Zügen, was eine positive Auswirkung auf die Anstehzeit hatte. Micha hatte sich zu uns gesellt. Beim Grillen regnete es nochmals vom Feinsten. Dank Markise und etwas Zusammengerücke ging es doch recht gut. Faris, der in der Staffel aktiv sein würde, grillte 50m entfernt. Carsten war sehr entzückt, als er ihn beim Einparken erblickte, entschied sich aber doch für seine Freunde. Bis Mitternacht taten wir schön doof. Tobi und Micha waren eher ins Bett verschwunden.
Der Sonntag begann 4:30Uhr mit Frühstück. Bei Micha gab es zwei Riegel und bei uns Müsli mit Gel. 6Uhr starteten die Profis. Nach kurzer aber intensiver Fachsimpelei entschieden wir uns dafür, dass der Himmel nur Gutes verhieß. Tobi war nervöser als ein Haufen Hühner wenn der Hahn in den Stall marschiert. Wir gaben unser Bestes, um ihn zu beruhigen. 6:45Uhr startete Michas Welle und kurz danach war Tobi dran. Roth hat den klaren Vorteil, dass man sich den Schwimmstart nicht mit dem kompletten Feld teilt, sondern in Wellen geschwommen wird. Entlang des Kanals kann man die Athleten super beobachten, anfeuern und fotografieren. Der Kanal schien zu kochen. In Sichtweite sind überall Arme und Beine. Den beiden gelang ein gutes Schwimmen und nach dem wir sie auf die 90km Runde geschickt hatten, gingen wir fix Frühstücken. Die Athleten fuhren ja an unserem Quartier vorbei. Es war demnach ein absolutes Sportlerfrühstück.
Inzwischen waren wir am Solarer Berg, dem Platz schlechthin für Zuschauer, angekommen und reihten uns in die Masse feiernder, schreiender und klatschender Leute ein. Sebastian Kienle spürt keinen Berg – so flog er hoch. Andere Sportler bedurften mehr Zuwendung. Neben Micha bin ich ein paar Meter hergelaufen – alles klar bei ihm. Verdammt, der sieht auch gut aus. Tobi macht ebenfalls einen sehr guten Eindruck und schlägt sich super.
Das nächste Ziel ist die Laufstrecke in Roth entlang des Main-Donau-Kanals. Es ist nun doch recht warm. Der ehemalige Kurzdistanz-Europameister Rasmuss Henning führt mittlerweile das Rennen an. Die Gruppe sucht sich ein schattiges Plätzchen. Dirk und ich laufen den Jungs ein Stück entgegen. Mit dabei haben wir Wasserflaschen. Micha kommt eine Erfrischung gerade recht. Er sieht immer noch sehr gut aus. Noch 21km für ihn. Auf Tobi warten wir auch nicht lange. Er läuft flott los und ist guter Dinge. Wir auch. Wir wechseln noch mal den Standort und passen Micha 6km vor dem Ziel letztmalig ab. Wir geben ihm noch diverse Sprüche und Zurufe mit auf die letzten Meter. Er geniest schon. Langsam müssen wir zum Ziel, es sind immerhin noch 4km für uns. Carsten bekommt ein Rad und die Aufgabe Tobi entgegen zu fahren und ihn sicher ins Ziel zu schreien. Unterwegs stecken wir die Motivationsschilder noch an den Streckenrand. Die Läufer, welche jetzt auf die Strecke gehen, sehen teils schon ganz schön angeschlagen aus. Viele scheinen in einer anderen Welt zu sein. Vermerke mir im Hinterkopf, dass es doch nicht zwangsläufig so gut gehen muss wie bei unseren beiden Raketen.
Rasmuss Henning ist schon länger im Ziel. Er rennt den Marathon in unerhörten 2:39h und legt insgesamt die dritt schnellste Zeit hin, die jemals auf einer Langdistanz erzielt wurde, hin. „Hut ab Herr Mütze!“, meint Dirk. Tobi ist im Ziel, fällt um, steht auf und ist total happy. Uns wird der Tag auch lang. Die Füße schmerzen, die Sachen sind schweißnass und es herrschen Hunger und Durst vor. Doch noch überwiegt auch bei uns das Adrenalin ob der guten Leistungen und der Stimmung. Micha ist sehr zufrieden und hatte keinerlei Probleme in den letzten 9:30h. Nach einer halben Ewigkeit zeigt sich auch Tobi seinen Fans. Wir zischen noch ein Bier und begeben uns dann zum Zeltplatz. Hier offenbart sich, wie intensiv die Sonne doch war. Tobi wird seine Streifen sicherlich mit Stolz tragen!
Bisher habe ich weder von einem Sportler gehört oder von jemanden gehört, dass er von einem gehört habe usw., geschweige denn einen Athleten getroffen, der nicht irgendwas an seinem Rennen zu meckern hatte. Die Ausnahme dieser Regel bildet Micha. Er strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Vielleicht muss ich meine Meinung zur Langdistanz noch mal überdenken…
Alles in Allem war es ein super Wochenende. Ich freue mich auf Frankfurt 2011 mit Curt und vielleicht dem ein oder anderen von euch;-)
m.
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