Triathlonverein Dresden e.V.

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Regionalliga Berlin - Auswärtssieg

Memoiren des Ligawarts...

Die folgende Geschichte beruht auf wahren Gegebenheiten und handelt von und vor allem mit real existierenden Menschen. Sie handelt von harter Arbeit, Schweiß sowie Leidenschaft und ist eine Abrechnung mit der bisherigen Saison (des Männer-Regionalligateams). Sie dient in keinster Weise der Selbstdarstellung, sondern maximal der Eigentherapie. 

Die Kurzfassung der Ereignisse vom 2. bis 3. August im Jahre 2014 ist: Unter den vielen bald historischen Ereignissen dieser Tage sind zwei hervorzuheben: 1) Im Spreewalddorf Burg fiel eine Flasche Leinöl um und lief aus. 2) Der vierte Wettkampf der Regionalliga Ost fand in Berlin statt. Die Damen des TV Dresden Spitzen Team erzielten den 3. Platz, die Masters den 
4. Platz und die Männer holten den Tagessieg. 

Wem diese Informationen reichen, der kann sich jetzt wieder anderem/n widmen. Wer aber nichts verpassen möchte, neugierig ist, Langeweile hat, oder einfach eine Schmalspurhelden-Geschichte lesen mag, der bleibe am Ball, hole sich einen mittel guten Tee (,denn besser ist der Text auch nicht), oder einen entzündungshemenden Schnaps und setze die Lesebrille auf, so vorhanden. 


---Die Jahre zuvor und bisheriger Saisonverlauf a.k.a. ellenlanges Vorgeschwafel--- 
Die Männer des schönsten Triathlonvereins in Dresden sind seit vielen vielen Jahren im Ligabetrieb unterwegs. Angefangen hat es in den frühen 2000ern in der zweiten Bundesliga Ost, die dann zur Regionalliga Ost umdeklariert wurde. Die sportlich erfolgreichsten Jahre erlebten wir 2007 mit dem Aufstieg in die erste Bundesliga und 2008-2009 in eben dieser. 2010 kann dann als Neubeginn gesehen werden. Wir sagen der zweitbesten Liga Europas "Auf Wiedersehen!" und formieren uns in der Regionalliga neu. Konnten wir Männer des TV Dresden im Jahr 2010 noch 2 Tagessiege in der Regionalliga verbuchen, lief es im darauf folgenden Jahr eher weniger erfolgreich. Trotz zweier Mannschaften reichte es nur zum vorderen Mittelfeld. 2012 sprang nach wechselhaften Ergebnissen am Ende Platz 5 heraus. 2013 wehte wieder etwas frischer Wind durchs Team. Der Fuchs von Dipps (Michael Grahl) und Rudy-Max-Dax (Gaumnitz) konnten mit utopischen Versprechungen ins Team gelockt werden. Mit neuem Teamgeist und alten Knochen konnten in vier Rennen vier dritte Plätze erkämpft werden. Dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange sein sollte, war allen Beteiligten klar. Erfolg macht bekanntlich sexy. Von unserer neu gewonnenen Sexyness wollte auch Marvin Wetzk partizipieren und so gehört die Lausitzer Frohnatur seit diesem Jahr zum Kader des TV Dresden Spitzen Team. Bereits im Herbst 2013 begann die Trainingsgruppe "TriMaX" (Dieses Akronym steht für Max, Marvin, Martin + X, wobei X als Platzhalter für nicht konstante, wechselnde Trainingspartner steht.) konzentriert und motiviert mit der Vorbereitung auf die Saison 2014. Jörgs Trainingspläne fanden wir ganz gut und getreu dem Motto "Wenn ein Mal gut ist, sind zwei Mal besser!", trainierten wir bis Mittwoch den Wochenplan und wiederholten ihn bis Sonntag. Damit hatten wir am Ende eines dreiwöchigen Belastungsblocks die Intensität und die Umfänge von sechs Belastungswochen auf unserer Seite. Krankheitsbedingte Ausfälle, die nie ausbleiben, konnten wir so mehr als kompensieren. Die wichtigsten Prüf- und Meilensteine unserer Saison-Vorbereitung waren: 
  * CycleCrossCup von Veloheld in Dresdner Wald und Wiese 
  * Skitrainingslager im Riesengebirge 
  * Ziddylauf Dresden 
  * DM Duathlon in Cottbus 
  * TimeTrialTriathlon des TV Dresden 

Grahlo, Max & Machwuchs?



Pünktlich zum ersten Liga-Wettkampf in Rackwitz kamen aber auch die Erkältungen. Sie sollten die Teammitglieder leider abwechselnd oder parallel mit Trainingsbann belegen und vor Wettkämpfen für zusätzlichen Nervenkitzel hinsichtlich der Aufstellung sorgen. 

Der erste Wettkampf fand zusammen mit der Landesliga in Rackwitz bei Leipzig als Team-Sprint statt. Wir hatten mit Christian und Rico unsere zwei schnellsten Schwimmer aufgeboten. Zusammen mit Max und Marvin sollten sie die anderen Teams von Beginn an unter Druck setzen oder sogar schocken. Am Ende mussten sie nur das junge Team des BSV Friesen Berlin passieren lassen, welches mit dem Friesen-Manöver Geschichte schrieb (http://www.youtube.com/watch?v=cuBQmAIM9w0). An diesem Tag ahnten wir schon, dass der alte Fuchs Christian "Hoffi" Hoffmann seine Friesen sehr gut auf die Saison vorbereitet hatte. Beim 2. Wettkampf in Schneeberg konnte insbesondere Max überzeugen. Mit einem starken 2. Platz im Einzelrennen führte er das Team wiederum auf Platz zwei der Tageswertung. Was ihm dabei passierte, erfahrt ihr in diesem Video ab Minute 2:04 https://www.youtube.com/watch?v=TxackIvXYwg&feature=youtu.be. Hier gewannen ebenfalls die   Friesen mit einer sehr offensiven Renngestaltung. In Havelberg lief dann nicht viel zusammen: Martin lag krank im Bett und Marvin feierte Hochzeit. Die Starter gaben ihr Bestes, hatten aber einiges Pech. Mit zwei Zeitstrafen und dem krankheitsbedingten Ausstieg von Max mussten wir uns mit dem 8. Platz begnügen. Damit enteilten uns die Friesen in der Tabelle. 

Für den vierten Wettkampf in Berlin waren wir nun richtig heiß. Martin hatte sich in der Landesliga aufgewärmt. Nach dem Sieg beim Koberbachtal-Triathlon konnte er sich nicht mehr um eine Nominierung drücken und auch ein letzter Versuch den Start durch einen Auto-vs.-Rad-Unfall zu verhindern, scheiterte. Zusammen mit Max, Marvin, Micha und Urgestein Mörg Bozenhard waren wir tipftopf aufgestellt für die Aufgabe "Auswärtssieg!". Der Wettbewerb umfasste einen Swim&Run am Samstag abend über 500m Schwimmen und 5000m Laufen, sowie einen Sprinttriathlon am Sonntag früh. Für beide Wettkämpfe wurde eine Mannschaftswertung errechnet, wobei beide Wertung zu 50% in die Gesamtwertung einflossen. Bei Punktgleichheit von mehreren Mannschaften entschied die geringere Summe der Platzziffernpunkte. Soweit zur Theorie. Wir werden im Folgenden noch sehen, wie sich das praktisch auswirkte. 


---Erster Teil--- 
In Berlin angekommen erwartet uns eine freudige Nachricht: Die Schwimmstrecke sei wohl 660m lang nicht nur 500m, erklärt uns Mörg. Woher er so etwas weiß? Er weiß es halt! Jahrzehntelange Erfahrung und Leidenschaft für Leistungszahlen bilden eine fundierte Wissensdatenbank. Da stinkt jeder noch so teure GPS-Trainingscomputer gegen ab. Im Wechselgarten ist ohne Rennrad erstaunlich wenig vorzubereiten. Während des Einschwimmens okkupiert Mörg die rechte der beiden Startbojen und legt sich wie eine dick, faule Robbe darauf ab. Marv und ich gesellen uns zu ihm. Dann ertönt auch schon das Start-Mööööp und ab geht die Lutzi. Arme fliegen durch die Luft und verwandeln stilles in stark sprudelndes Wasser. Marv und ich schwimmen wie im Training nebeneinander bis zur ersten Boje. Dort reist die Lücke zur Führungsgruppe und wie im Training lässt Marv sich an meine Füße fallen und erholt sich in meinem Strudel, um beim Laufen die enteilten Schwimmer von Hinten aufzumischen. Taktisch gesehen hätte man auch schneller schwimmen und dafür langsamer laufen können... Mörg springt derweil unter den Führenden an Land. Max ist ihm dicht auf den Fersen. Marv und ich haben nicht zu viel eingebüst, wie wir im Wechselgarten sehen. Dort muss jeder Starter die Wechselzone einmal komplett bis zum Ende durchlaufen, wenden und kann dann auf der anderen Seite der Pylonen an seinen Wechselplatz joggen. Insbesondere die Friesen-Jungs sind in Reichweite. Die Gedanke, dass etwas in der Luft liegen könnte, was wie die vage Möglichkeit einer Chance riecht, breitet sich im Gehirn aus. Der erste Teil der Laufstrecke führt über weichen Waldboden, der unsere Schritte dämpft. Und so schieben wir uns unbemerkt Meter um Meter an den jeweiligen Sportler heran, um ihn mit einem fulminanten Antritt zu überrumpeln. Platz 6, 7 und 8 heißt es am Ende für Mörg, Marv und Max. Wuhuh und große Freude, das hört sich nicht nur gut an, sonder ist es auch. Denn spätestens als Grahlo und ich auf Platz 23 bzw. 13 ins Ziel laufen, ist klar, dass wir heute ganz dicht am Sieg schnuppern. Eine halbe Stunde später wird es zur Gewissheit und wir können einen Teilerfolg verbuchen. 17 Platzziffern beträgt unser Vorsprung auf BSV Raketen-Friesen. Es folgen A3K Berlin und der gastgebende TV Berlin 09 auf Platz 3 bzw. 4. 

Inzwischen ist es auch schon spät geworden und der Magen knurrt. Wir werfen die Sachen in die Autos und brausen in unser nahes Hostel. Die Suche nach einem Restaurant, welches unseren gehobenen Ansprüchen, die sich um Grund auf "Hauptsache viel und lecker" zusammenfassen lassen, gestaltet sich als Unterfangen mit starken Anlaufschwierigkeiten. Das laut Internet nächste Etablissement stellt sich als Deutscher Mexikaner unter Italienischer Flagge heraus. "Zum Spatz" ist geschlossen. Kurz vor dem Verhungern bekommen wir den entscheidenden Richtungstipp und befinden uns als bald in den Händen eines augenscheinlich authentischen Italieners am Köpenicker Rathaus. Er signalisiert uns, dass es etwas länger dauern kann und wir üben uns Geduld. Das Abendessen gestaltet sich insgesamt als lockere und lustige Runde mit vielen Schwänken aus längst vergangen Triathlontagen. Nachdem die Energiespeicher aufgefüllt sind, verabschieden wir uns mit einem Schnaps von diesem Tag und entgleiten ins Traumland. 


---Zweiter Teil--- 
Am Sonntag frühstücken wir entspannt am Wasser. Dabei wirft sich Max eine ordentliche Portion Curry-Salat in den Wanst - Knoblauch wird leider nicht angeboten. Anschließend brausen wir mit den Autos zum Wettkampf-Ort und stehen kurze Zeit später wieder im Müggelsee. 

Die Taktik für heute ist schnell gefunden: "60 Minuten volle Kraft voraus!". Marv und ich stehen wieder bei Mörg. Mit einem Jetzt-oder-Nie-Kraftakt schließen wir die 20 Meter große Lücke zur ersten Gruppe noch vor der ersten Boje. Richtung Land können wir noch ein paar Leute abschwimmen. Dabei rutscht meine Brille langsam aber sicher vom Kopf als Resultat eines Schlags vom Start und füllt sich mit gelblich braunem Seewasser. Die Sicht geht gegen Null, nur noch Licht und Schatten sind wahrnehmbar. Auch kleine Fische rutschen nun in die Gläser und glotzen mich verwirrt an. Zum Glück ist es kurz darauf geschafft. Heute geht es über einen Treppe aus dem Wasser. Gestern war es  ein "Moritzburger-Auslauf". Beim Versuch das Bein auf die unterste Stufe zu bringen, ramme ich mir den  Oberschenkel heftig am Holz. Die unterste Stufe liegt doch reichlich höher, als vermutet. Wie ich im Ziel erfahre, bin ich bei Weitem nicht der Einzige, der sich hier irrt. Auf dem Laufweg zum Wechselgarten nehme ich zufrieden Marvs Hecheln hinter mir zur Kenntnis. Gut, er ist dran und an Max sind wir heute auch näher dran als gestern. Als dieser auf dem Rad in seine Schuhe geschlüpft ist und dreimal tief durch geatmet hat, drückt er auf die Pedale und saust uns auf und davon. Marv und ich können nicht wirklich folgen, befinden uns aber schnell in guter Friesenscher Gesellschaft. Nach der Radwende bekommt die Gruppe Begleitung von einem Kampfrichtermoped. Es bleibt aber bei ein paar Ermahnungen. Und schwupp ist der Radpart auch geschafft. Wie in guten Bundesligazeiten fahren 10-15 Manngleichzeitig in die Wechselzone ein und fegen einem Orkan gleich hindurch. Marv hängt mich heute noch eher ab alsgestern. Endlich zeigt er, was er drauf hat. Max rennt weit vorne herum. Ich brauche eine ganze Weile, bis ichin Schwung komme und meinem Laufrhythmus finde. Auf dem letzten Kilometer entsinne ich mich an das Koppeltraining beimTrainingswochenende in Malter und versuche dieses Gefühl abzurufen. Es klappt. Der Schritt wirdlänger, die Arme organisieren den Bewegungsablauf. Drei Sportler kann ich damit noch holen und auchdie Attacke von Grahlo abwehren, der hinter mir wie ein Berserker fürs Team arbeitet. Mörg, der am Vortag sowichtige Punkte für das Team geholt hat, nimmt heute einen Gang raus und genießt den Wettkampf. Sind die Plätze 7, 9, 14 und 19 heute unsere vier Richtigen, unsere Gewinnzahlen, unser Bingo? Mit dem zweiten Platz am heutigen Tag und dem Sieg der Friesen-Boys kommen beide Teams auf 3 Punkte und die Platzziffernpunktebeider Tage werden addiert. 18 Punkte Vorsprung am Samstag und 8 Punkte Rückstand am Sonntag bedeuten den ersten Tagessieg seit 4 Jahren für das Männerteam. Unsere Freude ist überdurchschnittlich groß. Man könnte an dieser Stelle viele Ausrufezeichen setzen und Reichliches in der Art Harte-Arbeit-wird-bezahlt-BlaBla schreiben. Das will ich aber nicht. Das können andere besser. Statt dessen möchte ich auf folgendes Hinweisen:

Trotz oder gerade weil Triathlon im Grunde eine Einzelsportart ist,empfinde ich die Liga als wichtigen Teil meiner sportlichen Aktivität und auch des Vereinslebens im TV Dresden.Das Wissen nicht nur alleine für sich zu kämpfen motiviert und treibt in Training und Wettkampf an. Dabei hat manimmer die Sportfreunde im Hinterkopf, die sich ebenso hart, aber vermutlich noch härter quälen. Damit gibtes keine Ausreden mehr, kein schlechtes Wetter und es wird "stabil abgesichert" (d.h. +10% des geplanten Umfangs).Im Vordergrund steht dabei gar nicht mal die absolute Leistung der einzelnen Sportler im Wettkampf, sondern dassman an seine Grenzen gegangen ist und das Team bestmöglich unterstützt. Jeder Sportler trägt ein Stück Verantwortungfür die Leistung des Teams. Die gemeinsamen Höhen und Tiefen, die man über die Jahre erlebt schweißen zusammen und so entsteht in der Individualsportart Triathlon ein Teamgefühl, dass mir persönlich sehr viel gibt und bedeutet. Naja, wie auch immer, der Ligabetrieb im TV Dresden bereitet mir auch in meiner 10 Saison noch arg viel Freude und so möchte ich hiermit alle ehemaligen und aktuellen Teammitglieder grüßen! 

Tagessieg für die Männer!




---Epilog/Nachwort/Danke Mutti--- 
An dieser Stelle möchte ich im Namen des Teams unseren Supportern und Sponsoren herzlich für die gewährte Unterstützung danken. Ohne die finanzielle und materielle Hilfe wäre es dem TV Dresden nur schwerlich möglich aktiv mit 5 Ligateams an Landes- und Regionalliga teilzunehmen. Besten Dank! 

Den Raketen vom BSV Friesen möchten wir danke sagen, für ihre bereichernde Art die Rennen der Regionalliga Ost sowohl sportlich als auch optisch zu gestalten und für das Friesen-Manöver. Und auch eure Blogtexte auf http://tg-hoffmann-lorenz.blogspot.de/ sind eine Bereicherung, heben sie sich doch kreativ und sprachlich elegant vom Triathlon-Wettkampfbericht-Einheitsbrei ab. 

Mit reichlich Wehmut vermissen wir seit Rackwitz das Kamenzer Team. Die Recken um Marcus Thomschke, Seppel Guhr und den Weisen Kenianer waren in den letzten Jahren immer ein gute Standortbestimmung für die eigene Leistung. Jungs, es ist Zeit für ein Comeback! 



---Abgesang--- 
Recht viel wurde nun zu 90 Minuten Sport am ersten August Wochenende in Berlin geschrieben. Einige Leser habe ich sicherlich unterwegs verloren, einige sind vermutlich eingeschlafen und andere werden sich ärgern, dass sie mit ihrer Zeit nichts Besseres angestellt haben. "Warum schreibt der Typ so viel zu einem Wettkampf?!" ist eine berechtigte Frage. Naja, zum einen habe ich kein Tagebuch oder Poesialbum, in dem ich meine Gedanken festhalten kann. Zum anderen möchte ich die positiven Erlebnisse, die mich mit dem Triathlonsport verbinden mit euch teilen. Im Endeffekt ist das hier auch eine Art Therapie und Reflektion, an deren Ende ich mir wieder darüber klar werde, dass sich die Welt weiter (nicht um mich/uns) dreht und sich harte Arbeit irgendwann auszahlt.

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