Triathlonverein Dresden e.V.

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Über den Mannschaftssport Triathlon oder Dresdner Dreierlei

Es gibt so Saisons da läuft wenig zusammen.

Die Sportler haben mehr oder minder vergessen zu trainieren, die Erwartungen sind von der Realität weiter entfernt als der Mond von der Erde und zu verpassten Chancen gesellen sich noch Ungeschick und Pech. So ähnlich erlebten die Männer des Dresdner Regionalligateams die letzten beiden Jahre. Das Podest war nicht zum Greifen nah und es lief insgesamt wenig zusammen, die glorreichen Zeiten, als wir die Liga mitbestimmten und ein jeder unsere Namen kannte, waren vorbei. Nun hilft Kopf-in-den-Sandstecken und auf Wunder hoffen meist wenig im Leben und so musste neuer Wind durch alte Leiber wehen.
Zwei personelle Verstärkungen waren die ersten Sofortmaßnahmen. Kinder-Maxi-King (kurz KMK), der als Kind in den selben Zaubertrankkessel wie Hell-on-Wheels und Zaeck-Attack gefallen war und darin sinnvollerweise auch gleich schwimmen lernte, würde mit von der Party sein. Beim Triathlonwunder von Dippoldiswalde half viel Bitten, Betteln und Schleimen, bis ihm ein "Ja, verdammt. Ich zeig euch wo der Frosch die Locken hat." zu entlocken war. Michael Grahl ist Triathlet mit Leib und Herz, er kämpft immer bis zum Umfallen und steht dann noch einmal auf und rammelt weiter.

Die letzten Vorbereitungen.

Auf der anderen Seite musste das Team aber auch zusammenwachsen, es wollte gefordert und gefördert werden und ab und an auch einen kräftigen Tritt in den Arsch bekommen. Mehrere Trainingwettkämpfe, angefangen bei der SM und DM Duathlon bis hin zum IM Frankfurt, zwei Traininigs-Wochenenden und ähnliche Maßnahmen entfalteten ihre heilende Wirkung, so dass deutlich mehr Zug auf dem Riemen war und alle Athleten auf die kommenden Liga-Wettkämpfe brannten. Carsten war so motiviert, dass er extra Motivationsansprachen ausgearbeitete hatte, um uns einzuschwören. Die Mühen und der Schweiß wurden belohnt: Die ersten beiden WKe in Schneeberg und Havelberg schwemmten jeweils eine Urkunde für den dritten Platz in unsere Hände. Nu, we can!

Sven hat tolle neue Schuhe!

Für den dritten WK stand das altbekannte Team-Format auf der Tagesordnung: 4*500m Staffelschwimmen, 10km gemeinsamer Lauf + 40km Mannschaftszeitfahren. Seit 2005 habe ich dieses und vergleichbare Formate mit recht vielen verschiedenen TV-Teamkollegen absolviert und während ich mich an viele Einzel-WKe aus diesen Jahren nicht mehr erinnern kann, blieben die Teamrennen doch immer in lebhafter Erinnerung. Wer die Chance bekommt einmal daran teilzunehmen, sollte diese beim Schopfe packen! Geht es beim Einzel-WK in erster Linie um eine möglichst gute Individualleistung, so muss es hierbei das Ziel sein, vier Individualleistungen zu einer Teamleistung zu kanalisieren. Was auf Papier so einfach klingt, ist unter dem Einfluss von Adrenalin, WK-Euphorie und stark ausgeprägter Alpha-Gene oftmals nur mit viel Mühe in die richtigen Bahnen zu lenken. Besonders die Energie der impulsiven Exemplare muss zur rechten Zeit abgeschöpft werden.

Wer ist es?

Die Aufstellung für Luckau wurde gleich im Anschluss an Havelberg geklärt, ohne viel Tamtam, sondern rein nach sportlichen Gesichtspunkten. Micha, Max, Marsten und ich wollten ein Ding raushauen. Das Mannschaftszeitfahrtraining wurde mit einem kurzen Techniktraining, welches Sicherheit bringen und Vertrauen zum Teamkollegen aufbauen sollte, fachmännisch vorbereitet. Und so griff Micha zunächst noch zaghaft, später umso beherzter an Marstens Hörnchen. In der Hauptsache ging es dann 2*20min mit Kette rechts das Müglitzal hoch und runter! Es flutschte recht ordentlich und der Vorderrad-Hinterrad-Abstand sank auf ein vorzeigbares Maß. Hinterher pflügten wir noch durch die Maltertalsperre, wobei schnell klar wurde, dass KMK im Wasser gut drauf war: Niemand vermochte seine Kursneuinterpretation, sprich Umweg, zu korrigieren.
Irgendwann brach dann der Tag der Wahrheit an. Dank dem Autohaus Dresden Reick konnten wir gut klimatisiert und mit sicher verpackten Rädern die kurze Reise ins brandenburgische Nüscht antreten. Die Fahrt verlief unspektakulär: Einsteigen, einschlafen, aufwachen, aussteigen. Die WK-Einweisung wollte ich entgegen meiner Gewohnheit nicht weglassen, denn es sollte später nicht am fehlenden Wissen scheitern! Orga-Jörg und Ligahäuptling Norbert rangelten verbal um die Hoheit des Wortes und damit die Aufmerksamkeit der Zuhörer, die es kopfschüttelnd bis lächelnd hinnahmen. Nachdem auch der Wechselmodus im Becken geklärt war, konnte es für die Damen losgehen.
Jule, Eva und Anna wollten den obersten Tabellenplatz mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen. Mit einem kleinen zeitlichen Handicap ging es nach dem Schwimmen auf die Laufstrecke. Dort wurde das Leipziger Team sehr schnell gestellt. Meter für Meter setzten sich unsere drei Glorien nach vorne ab. Auf dem Rad mussten sie dann aber neidlos anerkennen, dass die Damen aus Leipzsch eine Quarkstulle mehr gegessen hatten. Platz 2 geht voll in Ordnung und in der Tabelle scheint weiterhin die Sonne über Dresden und Heidenau. Ein großer Dank geht an Jule, die sehr kurzfristig einsprang!
Die Dresdner Masters (Jana, Toralf, Sven, Sascha) machten mir persönlich eine ganz besondere Freude. Sie ließen sich auch durch den Radsturz von Raketen-Sascha nicht aus dem Konzept bringen und zogen ihr Ding von hinten bis vorne und von oben bis unten durch und sicherten sich mit 5 Sekunden Vorsprung den 2. Platz in der Tageswertung. Eine clevere Katze springt nur so hoch, wie sie muss, schnurrrrr! Dass die lebenserfahrenen Dreikämpfer aus Dresden nun punktgleich mit den "Tussen" aus Neukölln die Tabelle anführen ist auch Ergebnis dessen, dass sie als Team zusammengewachsen sind. Insider berichten sogar vom regen Austausch von Poesiebüchlein...

Gackern nach getaner Arbeit.

Mit einer halben Stunde Verspätung wurden die Männer losgeschickt. Micha schwimmte, schwamm und schwomm (Na, aus welchem Lied ist das?) um sein Leben und übergab an Kinder-Maxi-King, der viel Boden gut machte und die Führung auf unserer Bahn übernahm. Leider durfte auch er nur 500m schwimmen. Ich hielt mich an die Devise "schnell angehen und dann nicht nachlassen". Auf der Nebenbahn sah ich nur King Höhle vorbei preschen, aber dieses Verhalten bin ich seit Jugendtagen von ihm gewohnt. Nachdem ich an Marsten übergeben hatte, bewegte ich mich zu KMK und Micha in den Wechselbereich. Kurze Zeit später konnte ich es gar nicht recht fassen, dass Marsten unser Team als erstes auf die Laufstrecke führte! Diese Situation war ich von den meisten Team-WKen gewohnt, da Joerg der Fuchs immer auf ein schnelles Schwimmen und Laufen gesetzt hatte, aber hier und heute war ich überrascht! Letztes Jahr kamen wir noch im Mittelfeld aus dem Wasser und blieben da auch stecken... Geil, auf geht's! Los, los! Die Laufrunde war eher unkreativ: 1,25km hin, Wende, 1,25km zurück, Wende usw. usf. bis man vier Runden weg hatte. Auf den Feldwegen wurde es mit den entgegen kommenden Gruppen von teilweise 16 Sportlern recht eng. Als wir die erste Wende hinter uns hatten, wurde mein mentales Grinsen mit jedem Meter breiter, den wir zurücklegten bis uns die Verfolger entgegen kamen. Wir schlugen ein gutes Tempo an und konnten den Abstand der anderen Teams sehen. Außer Kamenz kam kein Team nennenswert näher, den meisten Teams nahmen wir sogar Zeit ab, so dass wir nicht auf die Idee kamen lockerer zu machen. Die angereisten Cottbuser Fans entwickelten Sympathien für uns und unterstützten uns fortan hervorragend. Wir liefen wie im Rausch, statt Schweiß schwitzen wir Endorphine. Auf der letzten Runde schob Marsten Micha und Max stellenweise gleichzeitig. Hätte er drei Arme...
Beim Lauf-Rad-Wechsel mussten wir eine halbe Ewigkeit warten, bis Herr G. aus D. seine Schuhe an und seine Maschine in der Hand hatte. Nun müssen wir nur noch 46km abfackeln, das Ding quasi nach Hause schaukeln. Auf Kamenz haben wir um die 60Sekunden Vorsprung, hop hop! Wir kullern los, Max, Micha, Marsten und Martin. Es fühlt sich zunächst viel zu langsam an. Aber wenn die anderen drei nicht schneller wollen, dann können sie wohl nicht schneller und das Tempo stimmt für den Moment. Es klingt eigentlich recht angenehm, muss man doch nicht alleine gegen die Uhr und die Gegner fahren, sonder kann dies im Mannschaftszug tun. Der Satz von der Erhaltung der Schwierigkeit lehrt jedoch, dass die Zeit in der Führung umso mehr weh tut. Noch dreht sich meine Kurbel recht flüssig und das Team kreiselt äußerst homogen. Die Gespräche konzentrieren sich auf das Wesentliche: "HEP!". Bei diesem Kommando geht der Führende raus und der Nächste macht die Lok. Am einzigen Berg passiert das Tragische: Ich gehe aus der Führung, Kinder-Maxi-King mit seinem schwarzen Schlachtroß fährt an die Spitze und ich bekomme Marstens Hinterrad nicht richtig. Mist, nun klemmt auch noch die Kurbel. Nee, es sind die Muskeln. Arghhhh!! Das darf doch nicht wahr sein. Kinder-Maxi-King zieht den Berg hochals wäre es nichts und das Team ist damit auf und davon. Alles kämpfen nutzt nichts, das Herz rast, die Lunge pumpt, der Pfiff verreckt im Ansatz. Mein Arbeitstag ist zu Ende. Ich trudel aus und es vergeht eine Ewigkeit bis Kamenz und auch Berlin vorbei fliegen. Wow, so viel Vorsprung, aber ob es reicht? Mir bleibt derweil nur umdrehen, ganz rechts fahren, Leutegrüßen und Ausschau nach den roten Raketen halten übrig. Als sie an mir vorbei jagen, rufe ich ihnen zu, dass sie es auch alleine können und total super sind. Das ist doch mindestens eine Führung ist wert. Ihr Sog weht vorbei, ich verliere das Gleichgewicht und liege auf der Landstraße wie ein umgedrehter Marienkäfer. Im Ziel stelle ich mein Rad ab, hohle mir etwas Hohn ab, bevor ich mich läuferisch auf die Radstrecke begebe. Auf der geraden Straße kann ich ca. 1km weit schauen. Als erstes Team rollen die Recken aus Kamenz an mir vorbei. Klasse Leistung, wie man sie von ihnen inzwischen gewohnt ist! Es folgt der Berlin24-Express. Und ganz kurze Zeit später, erblicke ich eine Staubwolke am Horizont aus der sich langsam aber stetig drei rote Einteiler auflösen. Yeah, Marsten, Micha und Max haben sich nicht lumpen lassen und sichern uns den dritten dritten Platz in dieser Saison - Konstanz hat einen Namen! Ich renne ins Ziel und wir drücken und knuddeln uns. Schweiß wird dabei in rauen Mengen ausgetauscht, aber das haben wir uns auch verdient. Wir sind voll des Glücks und des Stolzes, dass heute vier Individuen zu einem Team verschmolzen sind. Der Abstand zu Kamenz und Berlin beträgt 95 bzw. 50 Sekunden. Die Erkenntnis, dass wir fast dran sind, müssen wir mit zum Finale nach Jena und vor allem über den Winter nehmen. Dann können wir Michas Motto "Hauptsache vor Kamenz" im naher Zukunft einlösen. Bis dahin sind noch viele kleine Schritte (und Arschtritte) nötig und mancher Stein muss übersprungen werden, aber ich bin sehr zuversichtlich.

Wer liebt, der schiebt!

Nach der zeitnahen Siegerehrung trottet das M-Team zum gleichnamigen Bus und braust mit geschwellter Brust bereit zu neuen Taten, auf zu neuen Abenteuern, in den Sonnenuntergang davon.

So dicht bin ich am Hinterrad gefahren!

Epilog
Auch eine Woche nach Luckau bin ich noch geflasht und freue mich über das Erreichte. Vordere Platzierungen sind schön und gut, für mich persönlich zählt die Art und Weise, wie sie erreicht werden aber mindestens genauso viel. Der Unterschied zwischen "Ich gehe mit einem Team an den Start." und "Ich starte im Team!" ist vergleichbar mit dem zwischen "Ich mache Triathlon." und "Ich bin Triathlet!". Im Grunde lässt es sich auf die Motivation, das Engagement und Einstellung zur Sache herunter brechen - und die stimmt dieses Jahr durch die Bank in allen Dresdner Teams. Auch von Athleten, die schon jahrelang im TV-Ligabetrieb dabei sind, erhalte ich die Rückmeldung, dass diese Saison wieder ein Stück mehr Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung wahrgenommen wird und wir auf dem guten Weg zu einer duften Truppe sind.

das sind wir!

Diesen Bericht möchte ich mit den Worten eines kleinen weisen Mannes schließen: Danke Anke Feuertanke!

Die aktuelle Tabelle findet der geneigte Leser auf >triathlon-regionalliga.de<
Fotos: Franziska Gaunitz - Danke!

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