Triathlonverein Dresden e.V.

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Regionalliga in Havelberg - der TV Dresden räumt wieder kräftig ab

Die Kampfkatze fuhr ihre Krallen aus, bekam sie gestutzt und fauchte dem Schicksal feucht ins Gesicht …

Nachdem ich am Schneeberg meine Regionalliga-Premiere feiern durfte, wollte ich dieses Mal gern besser sein, bin doch letzte Woche mit knappen 30 Sekunden an der Teamwertung vorbeigeschrammt. Ich war mit meiner Schwimm- und Radzeit nicht ganz zufrieden. Auf dem Rad wollten meine Beine einfach keinen Druck aufbauen. Dieses Mal fühlte ich mich zudem auch fitter als eine Woche zuvor, wo mir noch eine leichte Erkältung zu schaffen gemacht hatte.

9:30 Uhr traf sich der TV-Dresden und verlud seine Kampfwaffen in die Transporter. Es kam eine beeindruckende Menge an schnittigen Zeit- und Rennrädern zusammen.

10:00 Uhr reisten wir mit 3 Teams in Maximalbesetzung Richtung Berlin. Die Frauen: Katja Genauck, Juliane Kummich, Anna Lamm, Eva Lamm, Mara Gebert. Die Männer: Carsten Neise, Martin Flehmig, Andreas Jalowi, Poul Eger, Michael Gahl. Die Masters: Sven Perschneck, Holm Große, Toralf Dittberner, Elfi Rose, Bernhardt Hentrich und ich. Die Mannschaften waren komplett und verheißungsvoll besetzt. Es schien sich jeder der 4 Kraftwagenführer den besten Weg schon vorab rausgesucht zu haben und somit trennte sich der Konvoi zum Schaden unseres hochgradig besetzen Personentransporters, der nun im Stau stand. Streckensperrungen, immer noch durchs Hochwasser verursacht, schoben auch unsere Ankunftszeit immer näher an den Wettkampfstart. Endlich angekommen, hatten wir 1 Stunde Zeit, um den Transporter zu entladen, die Startunterlagen zu verteilen, die verwundenen Wechselwege zu erkunden und uns körperlich und mental auf den Wettkampf vorzubereiten. Die Letzten von uns kamen eine halbe Stunde später. So schoss unser Adrenalin schon vor dem Wettkampf in die Höhe und die Gemüter waren leicht angespannt. Gerade in der größten Eile verabschiedete sich nun auch noch mein Reißverschluss am Einteiler. Gott sei Dank, hatte Martin in weiser Voraussicht noch ein paar Ersatzeinteiler eingepackt. Somit war mein erstes Desaster schnell wieder behoben.

Die Sonne brütete. Dennoch wurden Neos erlaubt! Verschwitzt und aufgeheizt stiegen wir in unseren schwarzen Gummihäuten ins fast gleichfarbige Wasser. Selbst das verschaffte kaum Abkühlung. Startschuss? Nein, wir warten noch auf jemanden. Jetzt? Nein, da fehlt immer noch einer …. Aber nun endlich durften wir unsere Gesichter zur Erfrischung ins Wasser tauchen. Die Master, sowie auch die Männer, durften die Spülinsel einmal umrunden. Dieses Mal wollte ich doch was reißen. Also gleich am Anschlag los. Zum ersten Mal verspürte ich Seitenstechen beim Schwimmen und die Atmung viel schwer. „Tja, Pech gehabt, wollteste ja nicht anders. Musste nun durch!“ Durch kämpfte ich mich auch, als sich treibendes Baumgeäst an meinen Armen verhedderte. Endlich konnte ich den Ausstieg sehen. Die Strecke fühlte sich kürzer an, hatten wir ja auf zweiter Hälfte die Strömung der Havel im Nacken. Runter mit dem Neo und auf zum extralangen Weg in die Wechselzone. Ich kämpfte mich auf dem schmalen Pfad an einigen Mitstreitern vorbei und sah unsere Einteiler im Wechselgarten leuchten. Sehr gut, ich bin dran!

Ein schneller Wechsel folgte und ich flog förmlich auf meine rosa Kampfmaschine. Zwei Runden galt es zu meistern auf einer recht engen Wendeschleife. Mein zweites Ziel galt es nun zu verfolgen. Also brannten die Oberschenkel von der ersten Minute an in gewohnter KampfKatzenManier. Auf der ersten Runde konnte ich kaum Plätze gut machen. Aber es lief gut. Die erste Wende gemeistert und schon gab es einen schweren Unfall. Eine Athletin raste ungebremst, frontal in einen PKW. Was hatte der dort zu suchen? Ich weiß es nicht. Aber ein zweiter versperrte mir nun den Weg. Vollbremsung, dran vorbeischieben, wieder Fahrt aufnehmen, Kehrtwende in die zweite Runde und nochmals am Unfallort vorbei. Die Frau hat verletzt überlebt und der Krankenwagen war vor Ort. Ihr Rad hatte leider nicht so viel Glück. Dieses Mal versperrte nichts mehr den Weg. Chapeau an die Helfer, die die Situation so schnell meisterten! Und gute Besserung an die Athletin! Auf der zweiten Runde konnte ich nun endlich Plätze gut machen. Das tat gut und ich kam zum zweiten Mal an die enge Wendestelle mit zum Teil unbefestigtem Untergrund. Der Gefahr bewusst bremste ich ab und bog ein. Plötzlich blockierte mein Vorderrad und ich stieg unsanft nach vorn übern Lenker ab. „Nicht schon wieder!!!!“, fluchte ich innerlich. Bin ich nicht erst vor ein paar Wochen auf meine andere Körperhälfte gestürzt?! Ich prüfte, ob mein Rad noch zum weiterfahren taugte. Ich fädelte die Kette wieder hoch und spannte das Hinterrad wieder ein. Bernhard kam an mir an vorbei und bot gentleman-like seine Hilfe an. Ich suggerierte ihm, dass er ruhig weiterfahren konnte. Wieder rauf auf mein geliebtes rosa Mädchen. Jup, das Rad schnurrte wieder wie ein zufriedenes Kätzchen. Zwar etwas lauter als vorher aber ich konnte weiter machen. (Nach dem WK stellte ich fest, dass der Aufprall die Kassette etwas gelockert hatte, aber nichts Dramatisches am Rad zu Schaden gekommen war – puh!) Wieder am Kurbeln checkte ich mich kurz durch: kleine, brennende Schürfwunden an den Händen, der Ellbogen tropfte ein wenig und das Knie war dick. (Abends sollte ich noch feststellen, dass ich nun auf beiden Seiten eine Hüftprellung zu verzeichnen hatte. Sammlerglück eben.) Also überholte ich nun zum zweiten Male, die die nun wieder an mir vorbeigerauscht waren und fuhr in die Wechselzone ein. – Desaster Nummer 2 erfolgreich gemeistert. Aber alle „guten“ Dinge sind ja bekanntlich Drei …

Der Wechsel lief reibungslos. Nun galt es, eine ebenso gute Laufperformance abzuliefern wie schon eine Woche zuvor. Ich wusste, dass die Frauen eine verkürzte Laufstrecke hatten und die Männer eine „Acht“ laufen mussten. Kaum aus der Wechselzone raus, hieß es: „Startnummer nach vorn!“ (Frauenliga gelb, der Rest weiß, also auch ich) – Ich gehorchte brav. Daraufhin sprang mir gleich die nächste Helferin mit weit ausgebreiteten Armen beherzt in den Weg und schrie: „Liiiiiiiinks!“ – Ich gehorchte wieder, war mir doch der Weg versperrt und ich nun total verschüchtert. Zudem war alles so knapp nacheinander, dass man keine Zeit zum Überlegen hatte und Anhalten gilt nicht. Die nächsten hundert Meter dämmerte es mir. Ich sah Poul, Holm und Eva, die nach Adam Ries doch gar nicht hier sein dürften. Das dritte Desaster stürmte auf mich zu. Demotiviert lief ich die Strecke weiter zurück zum Irrgarten des Grauens, auch havelbergische Wechselzone genannt. Ich versuchte mich zu orientieren und lief dieses Mal den anderen, richtigen Weg. So ein Mist aber auch! Dass ich ein paar Mitstreiter überrunden konnte, munterte mich grad wenig auf und ich lief schnurstracks zum Irrgarten zurück. Ich schrie dem Veranstalter entgegen, dass ich fehlgeleitet wurde und mir nun ein Stück der Strecke fehlte. Nach kurzem Überlegen rief er zurück, dass ich doch die Frauenrunde nochmal hinten ran hängen sollte. Einer Lösung nah lief ich weiter. Aber auch hier dämmerte es mir, dass sich damit meine Laufstrecke verlängerte! Fehlte mir doch die „Extrarunde“ der Männer und nicht die etwas längere Runde der Frauen. Oh man, ich stiefelte also „hochmotiviert“ zum vierten Male auf die Frauenrunde und verzweifelte innerlich. Auf dem Zielsprint überrundete ich noch ein paar Mitstreiter und wurde mit tosendem Jubel von Jule, Eva und Anna empfangen. Ein kleiner Lichtblick an meinem dies tägigen schwarzen Horizont.

Im Ziel wollt ich nur eins: nach Hause! Ich war fertig mit der Welt. Ich leckte meine Wunden und merkte, dass meine Knie weich wurden. Realisierte ich doch jetzt erst richtig, dass ich einen Radsturz hatte und eine Athletin im Krankenhaus lag. Ich packte meine sieben Sachen und humpelte zu unserem Materialtransporter, wo alle wuselig räumten, da wir noch einen langen Heimweg vor uns hatten. Da ich eh keine Lust auf Konversation hatte, trottete ich zur Ergebnisliste und bekam eines der begehrten Exemplare in die Hand, leider erst mal nur das der Masters. Aber was war das denn? Wir haben den ersten Platz belegt und sogar meine Zielzeit konnte dazu beitragen! Mein Horizont färbte sich grad hellrosa :-D.

Insgesamt räumte der TV ordentlich ab:

Frauen: 1. Platz

Masters: 1. Platz

Männer: 3. Platz

Fotos: Franzi Gaunitz - lieben Dank an Dich! Ohne freiwillige Helfer, wäre der TV nicht was er ist.

Somit konnten wir zu Recht mit stolzgeschwellter Brust die komplikationsfreie Heimreise antreten.

Ich freu mich schon aufs nächste Mal. Wächst man doch an seinen Herausforderungen!

 

Euer Master of Desaster alias Jana

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