Triathlonverein Dresden e.V.

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Canyon of Doom und Elitespur

Diese Geschichte nimmt ihren Anfang im November des Jahres zwo-dreizehn. Die Triathlonsaison steckte in einer tiefen Sinnkrise, woraufhin unsere BMX-Bande neue Herausforderungen suchte

und wie es der Zufall so wollte, hatte Rudy-Max-Dax auch ohne akuten Geburtstag sein erstes MTB bekommen. Gemeinsam mit Poul folgten wir daher dem Aufruf von Veloheld zum ersten Lauf des vierten Dresdner Cyclo-Cross-Cup (CCC). Eine knappe Stunde quetschten wir damals über die Rennstrecke zwischen Messe und Elbe. Anschließend waren wir uns sicher "Das war spitze!" und an den nachsten derartigen Rennen wollten wir ebenfalls teilnehmen. Sowohl bei diesem ersten Lauf des CCC, als auch beim Glühweinrennen (eine Runde fahren, einen Glühwein trinken, eine Runde fahren, einen Glühwein trinken, usw.), welches Mitte Dezember statt fand, musste ich mich den fahrtechnischen Skills (Neudeutsch für Können) und der Oberschenkelurgewalt der ersten Dame beugen. Anne von Colorado Rehßing Jena hieß fortan meine Blockade.

Der zweite Lauf des CCC sollte im Januar des folgenden Jahres steigen. Die verbleibende Zeit nutzte ich zur intensiven Vorbereitung. Ich grub mich in die Trainingspläne von Raymond Poulidor und die Verarbeitung von Kohlefaserverbundstoffen im Fahrradbau ein, sah mir alle Rocky-Filme an und trainierte mit der lettischen Bahnradnationalmannschaft der Frauen. Und überhaupt überließ ich nichts dem Zufall. Die Leistungstest bei der sonntäglichen "TV DD goes MTB"-Ausfahrt zeigten mir, dass ich auf einem guten Weg war. Schlussendlich fühlte ich mich dann sogar so überlegen, dass ich keine Entlastung in den Tagen vor dem Rennen einlegte. Statt dessen steigerten wir, die BMX-Bande, die Belastungen bis nahe an die Schallmauer. Mit entsprechend dicken Beinen fiel ich am Renntag aus dem Bett auf den Boden der Tatsachen. Das Aufwärmprogramm wurde in eine letzte formgebende Einheit integriert und so ging es zusammen mit Susi, Flying-Fugi, Rudy-Max, Rene, sowie den Coaches Christian und Totten zum Veranstaltungsort.

Das Rennen stand unter dem Motto "New Years Suffering" (Neujahrsleiden) und wurde von den Mitgliedern der endkrassen Radebronx Cycling Union (BMX-Bande aus Radebeul) veranstaltet. Selbige zauberten einen gar sehr feinen Kurs ins Gelände, der einiges Leiden versprach, aber dazu später mehr. Zunächst hieß es: Anmeldung, Quatschen, Einführungsrunde, Rad abstellen, Sektglas entgegen nehmen - häh, Sekt? Ja, denn gemäß den Regularien der interstellaren Association for Neujahrs-Geländeradrennen gab es ein Gläschen Prickelwasser für alle Starter.

Dann wurde Aufstellung im Canyon of Doom eingenommen und der LeMains-Start vollzogen. Die knapp 70 Starter fegten, wühlten und droschen durch die enge Schlucht im knietiefen Sand auf ihre Räder zu. Kettenblätter und Lenker bohrten sich in entgegenkommende Sportler, Menschen und Maschinen wurden untrennbar verknotet. Mit dem Rad in der Hand oder auf der Schulter bewegte man sich nun wieder Richtung Start/Ziel, wo man am Stairway to Heaven, der aus dem Canyon of Dooom fährt, an stand.

An der Klippe angelangt, ging es endlich aufs Gefährt und einen engen, kurvigen Singletrail hinab zum Bombenkrater. Todesmutig wählte man hier die Elitespur und beschleunigte brutal in die sich anschließende High-Speed-Passage. Nach ein paar geraden Metern und zwei Kurven ging's in die Anfahrt zum Mountain of Madness. Dessen Gipfel schloss sich wieder eine Drückerstrecke an, gefolgt von einem Singletrail Richtung Canyon of Destiny, wo eine mehr als hüfthohe Schranke überwunden werden musste. Die hier heimischen Krokodile waren zum Glück gerade in den Skiferien. Der Ausstieg aus dem Canyon of Destiny war gleichfalls hüfthoch. Wenige Meter danach schoss man ins Luftballon-Bälle-Bad - Peng, Peng - und einen horizontalen Baumstamm später war man am Anfang allen Übels, dem Canyon of Doooom. Sollte man das alles geschafft haben, standen einem nur noch 6-7 Runden bevor - quasi ein Spaziergang.

Soviel zur Einleitung. Die erste Runde ist geschafft, die erweitere BMX-Bande erwischt einen mehr oder weniger guten Start. Alle Protagonisten sind noch im Rennen. Anne ist noch nicht außer Sicht, dahinter folgen Max und Susi. Wir sind nun mitten drin im Rennen. Der geneigte Leser möge sich nun zum besseren Verständnis der folgenden Handlungen und zur Steigerung der Empathie in eine Helm- oder Lenkerkamera-Perspektive begeben.

Zu Beginn der zweiten Runde arbeite ich mich an All-Mountain-Susi vorbei. Ein Konter bleibt aus und so konzentriere ich mich nach vorne. Max fährt aus meinem Sichtfeld heraus, Flying-Fugi ist schon länger entschwunden. Ich trete nahe am Anschlag, ohne aber zu überziehen. Coach Totten kann unser Treiben sehr gut einsehen und verteilt Ratschläge. Außerdem scheint er sich köstlich zu amüsieren - schön für ihn! Anfangs der dritten Runde versinkt der Stairway to Heaven in Bratwurstdunst. Ich finde den Weg auch blind, denn ich habe eine Aufgabe: Blockadebewältigung! Es geht voran, wie mir Totten begeistert zuruft: 15Meter - Runde - 10Meter - Runde (Im Canyon of Dooooom regnet es zeitweise Bier.) - 3Meter. Ich klebe an Annes Ausfallenden. Total cool und überlegt sammle ich alle Kräfte, um am Mountain of Madness anzugreifen. Es gelingt! Jedoch sind noch zwei Runden zu fahren, es kann noch alles passieren. Mit neuer Kraft brause ich über den Kurs, überhole sogar noch ein paar Fahrer und gebe im Sand alles, was die Waden hergeben. Dann endlich erklingt das Glockengeläut zur letzten Runde. Die Muskeln schmerzen und die Lunge feuert. Ich will nicht nachlassen. Ich will durchziehen. Ich will vor Anne ins Ziel. Ein letztes Mal bääämme ich durch den Bombenkrater, beschleunige bis ans Tachoende, stürme den Mountain of MadnÄchz hoch, ziehe die Nadel wieder auf Anschlag und stürze zum Canyon of Destiny. In der letzten Kurve überrundet mich Michi von der 1.Maibrigade, aber der darf das. Gemeinsam schleppen wir unsere müden Leiber ein allerletztes Mal durch den Canyon of Doooooom und erreichen Lenker an Lenker das Ziel. Geschafft: (1) vor Anne im Ziel, (2) vor Susi im Ziel, (3) absolut fix und foxy.

Es folgen die Siegerehrung mit einzigartigen, handgemachten Siegertrophäen für die Siegerin und den Sieger und total hippen Caps für alle Podestler. Susi erzielt dank ihrer tollen Leistung einen zweiten Platz und wird ihr Cap hoffentlich voller Stolz tragen, oder? Rudy-Max, Fugi, ich und viele andere Teilnehmer werden zusammen auf Platz 14 gewertet, womit wir unseren 14 Platz vom ersten CCC-Lauf festigen. Nach einer fast endlosen Tombola, während der unter anderem der Grill zu Boden geht. Rudy-Max handelt wie gewohnt blitzschnell und so gibt's eine Wurst für uns beide mit dem Geschmack des Canyon of Dooooooom. Schmatz. Zwei Bockbier machen die Beine wieder geschmeidig und so können wir Richtung heimische Badewanne bzw. Couch kullern.

Danke für das Spektakel und die Organisation an die RCU+Veloheld. Klatsch, Klatsch.

Danke an die RCU, Robert Gebler und Jens Hegewald für's Überlassen der Bilder. Weitere Bilder findet ihr auf

http://8122.tumblr.com/, www.flickr.com/photos/ersatzspeiche/, http://hogo.wordpress.com/ und http://www.flickr.com/photos/ersatzspeiche/

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