Triathlonverein Dresden e.V.

Template_HP-0039.jpg

Der Embrunman 2016

Fern aller Jagd nach Bestzeiten und Platzkämpfen – Antje und Roland beim Embrunman 2016

Gibt es Leute, die an einem Triathlon-Wettkampf teilnehmen mit dem Wissen, ganz gewiss in der hinteren Hälfte der Platzierung zu landen, ja nicht einmal sicher zu finishen? Können sie sich zu all der aufwendigen Vorbereitung und der Quälerei im Wettkampf motivieren, wenn ein AK-Sieg allenfalls beim Wechsel zu erwarten ist?

Gewiss, das geht! Denn sonst gäbe es ja nie die zweite Hälfte der Platzierungen – irgendjemand muss die schließlich auch belegen. Für dieses Opfer haben wir uns zum wiederholten Male bereiterklärt. Für die Motivation fern aller Jagd nach Bestzeiten und Platzkämpfen ist es hilfreich, sich einen Wettkampf auszuwählen, der entweder noch unbekannt ist und damit einen Vergleich mit früheren Finish-Zeiten unmöglich macht, oder einen, von dem eine solche Faszination ausgeht, dass Teilnahme und Zielankunft Lohn genug ist und bei dem die Eile sich darauf beschränkt, den oder die da vorn unbedingt noch schnell zu überholen.

So ein Wettkampf ist der Embrunman, eine nette kleine Privatveranstaltung ohne großes kommerzielles Label, die in diesem Jahr schon zum 33. Mal stattfand. Start und Ziel sind am Plan d’Eau, einem malerisch gelegenen künstlichen Badesee in Embrun in den französischen Alpen zwischen Gap und Briançon. Eine Kurzdistanz wird ebenfalls angeboten, die dieses Jahr am selben Tag startete. Für uns aber stand der große Embrunman auf dem Programm.

Eine Reise in die Gegend lässt sich wunderbar in einen Urlaub einbauen, ob ihr nun mit dem Renner die Pässe hocheilt, die unzähligen bergigen Sträßchen durch verträumte Bergdörfer erkundet, mit dem Mountainbike die Rennrad-Sackgassen zu Durchgangsstraßen macht, ob ihr letztlich die Bergschuhe schnürt und die letzten Meter zum Gipfel über eine Via Ferrata bezwingt oder euch das Ganze lieber am Gleitschirm schwebend von oben anschauen wollt. Nicht zu vergessen ist die Alternative, einfach lange auszuschlafen, die Mittagshitze dann in der wohltuenden Kühle des Plan d’Eau in Sommerfrische zu verwandeln, am Nachmittag einen der lokalen Wochenmärkte zu durchstöbern und den Tag dann im Garten eines der unzähligen Restaurants ausklingen zu lassen.

Energieversorgung

Beim Einchecken stieg dann schon die Spannung, und das nicht nur wegen der dieses Jahr ziemlich scharfen Sicherheitsregeln unter dem französischen Vigipirate-Programm. Ein Betreten der Wechselzone, selbst morgens am Renntag, war nur mit Ausweis gestattet, die Zielgasse durfte nur durch die Athleten betreten werden – verständliche Maßnahmen, nach allem, was dieses Jahr in Frankreich schon Schreckliches vorgefallen war.

Seit einigen Jahren findet dieser Triathlon immer am 15. August statt. Doch so gleich wie das Datum, ist das Wetter unterschiedlich. Das zweite Mal waren wir dieses Jahr dabei und durften dadurch ein Winter- und ein Sommerrennen bestreiten. Dieses Jahr hat es der Sommer vom Training bis zum Wettkampf geschafft.

Entsprechend pudelwarm war es beim Schwimmen, das pünktlich um 6 Uhr im Dunkeln startete. Die Frauen starteten ganze fünf Minuten früher und hatten dieselben Disqualifikations-Zwischenzeiten zu bewältigen wie die Männer. In der ersten Disziplin hatte Antje noch leichtes Spiel mit mir, da ich im Gegensatz zu Ihr mit zunehmendem Trainingsvolumen eher langsamer zu werden scheine. Das äußerte sich nicht nur in der Split-Zeit, sondern auch darin, dass ich mich hin und wieder in unberechenbaren Rudeln von Kreuz-und Querschwimmern wiederfand, die mich wohl desorientieren wollten; schlimmer noch waren wie immer die Konkurrenten, die hin und wieder zur Orientierung kurz auf Brustschwimmen umschalteten: Als ich einmal zum Überholen ansetzte und meine Hand vertrauensvoll nach vorn ins Wasser streckte, wurde mein kleiner Finger vom Brustschwimmerfuß mit Inbrunst zurechtgestaucht, dass die Gelenkknorpel ächzten. Verdient habe ich’s, hat mir doch der Jörg immer gepredigt, den Unterarm nach schräg unten zu richten und nicht waagerecht nach vorn. – Von dem kleinen Zwischenfall abgesehen, verlief der erste Teil des Rennens recht entspannt unter der aufgehenden Sonne.

Dann galt es, schnell aufs Rad zu kommen, um wenigstens die ersten 700 von den insgesamt ca. 3800 Höhenmetern noch im Schatten abspulen zu können.

 

Nach ein paar technischen Abfahrten, die dieses Jahr zum Glück keinen Blutzoll von zu waghalsigen Kurvenpiloten forderten, und einer der wenigen flachen Strecken im Wind endete die kleine Embrun-Schleife nahe beim Start und führte weiter in Richtung Col d’Izoard, dessen Fuß man nach weiteren, leicht welligen 42 Kilometern erreichte.

Die 14 km Anstieg mit 8-10 % Steigung lagen dann fast schattenlos in der glühenden Mittagssonne, das Thermometer zeigte 38 Grad. Das tolle Bergpanorama trat dann etwas in den Hintergrund, der Schweiß rann in Bächlein auf die Straße, der Blick war fokussiert auf die nächsten Meter vor dem Vorderrad. Nur bei Überholvorgängen, mit denen ich für meine schwache Schwimmleistung hin und wieder entschädigt wurde, gab ich einen aufmunternden Gruß an den Konkurrenten und versuchte etwas weniger nach Luft zu schnappen. Jawohl, auch auf den hinteren Rängen gibt es psychologische Spielchen!

Mit gut einer Stunde vor der Besenfrist konnte ich schließlich den Pass Col d’Izoard unter die Räder nehmen und mich auf einer genussvollen Serpentinenabfahrt nach Briançon von Kurve zu Kurve werfen.

Ist der Col d‘Izoard ein sanfter Riese, so sind die unzähligen, unterschiedlich steilen Anstiege auf dem Rückweg der Radstrecke eine Ansammlung garstiger Giftzwerge. Steigungen, Gegenwind und die Hitze sind jedoch nicht als Feinde zu begreifen, die mich am Fortkommen hindern wollen, sondern als altbekannte Trainingspartner, die mich im Wettkampf dafür belohnen, kaum ein Training nur des Wetters wegen ausgelassen zu haben. Dennoch machten mir die Temperaturen zunehmend zu schaffen, so dass ich nach dem letzten Anstieg, an der letzten Verpflegungsstelle der Radrunde, ein Fleckchen Schatten suchte, dort apathisch an die zehn Minuten herumlungerte und über Aufgabe nachdachte. Der Magen nahm nichts mehr auf, weder flüssig noch fest, die Atmung war flach wie der Moritzburger Schlossteich. Ein Helfer erkundigte sich nach meinem Befinden, und ich sagte, dass ich wohl in T2 meine Startnummer abgeben werde… Nein, ich gebe die Startnummer nicht jetzt ab, erst unten im Wechselgarten… Wie in Trance rollte ich die Holperpiste hinunter in die Stadt. Als das Rad aufgereiht war und ich mich mit Laufschuhen an den Füßen wiederfand, dachte ich nach einer weiteren inneren Einkehr und dem Angebot einer Lockerungsmassage: Warum nicht einfach eine der drei hügeligen Laufrunden probieren! Gesagt – getan: Es hat funktioniert, nach der ersten probierte ich die zweite Runde – und 14 km vor dem Ziel gibt man dann auch nicht mehr auf! Das Publikum half ganz enorm, überall wurde angefeuert, hin und wieder spendierte jemand eine Dusche aus dem Gartenschlauch. Am meisten beeindruckt hat mich die Gruppe von Kindern, die mir schon aus 30 Metern Entfernung „Allez Roland“ zurief – wie konnten die auf diese Entfernung meinen Namen auf der Startnummer erkennen? Die Antwort ergab sich gleich darauf: Auf dem Balkon stand Großmütterchen mit dem Fernglas und soufflierte den Kindern die Namen der sich nähernden Kämpfenden und Leidenden – das zaubert einem, egal wie ausgebrannt man schon war, ein Lächeln ins Gesicht.

Nach 15 h 22 min war es dann geschafft, trotz der beiden Kunstpausen 20 min schneller als im letzten Jahr – YESSS!

Nun galt es noch, das Familien-Finish komplett zu machen. Antje hatte ich auf der Laufrunde nur einmal sichten können; nach meiner Rechnung sollte es knapp werden mit ihrem rechtzeitigen Zieleinlauf. Sie hatte ja die ganze Zeit die Besenfahrzeuge im Nacken, kaum mehr als 15 Minuten Reserve – dazu kam noch, dass sie in T2 ein Konkurrenzfahrrad umräumen musste, das auf ihrem Platz war. Als Glücksfall erwies sich dann ihre Begegnung mit einem französischen Teilnehmer, der sich zur Siesta niedergelegt hatte und ohne Antjes Ermutigung dort wohl den Zielschluss verschlafen hätte. Die beiden gründeten eine Zweckgemeinschaft und kamen drei Minuten vor dem Zapfenstreich durch das große Tor. Nochmal YESSS! Es war geschafft! Und pünktlich 17 Stunden nach dem Start der Männer ging das Licht aus, verstummte die Motivationsmusik im Zielbereich, schalteten die beiden heiseren Ziel-Animateure erschöpft das Mikro aus. Nur die Bar blieb noch offen: Es gab Bananen, Sandwiches, Fritten, Cola und eiskaltes (richtiges) Bier.

Von den etwas über 1000 Startern (davon 73 Frauen) konnten dieses Jahr dank der Hitze nur 785 Starter (davon 42 Frauen) regulär finishen. Letztes Jahr war es ähnlich, nur dank des kalten Regens. Aber schließlich erwartet hier niemand einen Spaziergang.

Ob wir diesen Wettkampf noch einmal angehen, ist zweifelhaft. Aber auf dieses schöne Fleckchen Erde kommen wir sicher wieder.

Es berichtete: Roland Herrmann

 

Links:
Homepage Embrunman
Ergebnisse 2016

Radtraining

Resultate

aktuell: ebm-Seiffen

Sponsoren