Triathlonverein Dresden e.V.

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Mein erster Marathon - Ein Bericht über Liebe, Trennung und Leidenschaft

Am vergangenen Wochenende bin ich (René Jordan, Anm. d. Red.) meinen ersten Marathon gelaufen!

Als Premiere hatten Anita und ich uns den Lauf in der Hauptstadt Berlin ausgesucht. Mit 30.000 Teilnehmern in 2014 einer der größten weltweit und Ereignisort zahlreicher Weltrekorde und Weltjahresbestzeiten. Die Planung lief schon seit Oktober letzten Jahres, als Fyodor und ich den Plan fassten, in Berlin 2015 zu starten. Für Fyodor eine Wiederholungstat für Anita und mich der erste Lauf über die Marathondistanz. Anita ließ sich wiedermal von meiner Euphorie hinreißen und meldete sich auch an. Nach zwei, drei Halbmarathons bestand für mich auch kein Grund, sie davon abzuhalten.

Das Wetter war spitze: Früh morgens mit 9 Grad Celsius zwar frisch, aber das war ich auch, die Sonne schien 8 Uhr bereits und die Aussichten waren optimal. Am Startareal am Reichstagsgebäude herrschte aufgeregte Stimmung, als wir ankamen. Wir sortierten also unsere Nerven und drückten einander nochmal fest die Daumen. Fyodor hatten wir leider nicht mehr vorm Start getroffen, aber im Ziel würden wir uns sowieso treffen. Also Kuss und ab in den Startblock. Der war für mich in Startblock E relativ weit entfernt, aber in der Menschentraube, die sich auf dem Wege befand, kühlte ich auch nicht so arg aus. Pünktlich angekommen, startklar gemacht und kurz noch konnte ich die überwältigende Stimmung unter den bereitstehenden Startern aufsaugen. Die Spannung lag förmlich in der Luft und wurde erst durch den Startschuss freigesetzt! Irgendwann kurz nach 9 Uhr fiel dieser und die Menge setzte sich begleitet von Musik und Zuschauern in Bewegung. Wie würden die deutschen Asse abschneiden, die standen schließlich nur ein paar Meter vor mir? Löst Anna Hahner das Rio-Ticket? Mit Paul Schmidt war auch ein äußerst ambitionierter Dresdner Athlet dem internationalen Kräftemessen nicht aus dem Weg gegangen! Wie viele andere auch. Alle überqueren die gleichen beiden Linien und hart ist es immer, für die einen nur schneller vorüber, als für die anderen.

Die erste imposante Station war mit der Siegessäule ziemlich schnell erreicht und bis zum letzten, dem Brandenburger Tor lagen noch etwa 41km vor mir. Auf dem Weg dahin gab keinen Meter der Laufstrecke, wo nicht mindestens einer uns Läufer angefeuert hatte oder Winkelemente ins Gesicht hielt. Unheimlich viele Bands, Kapellen und DJs säumten den Weg ... Kinder und Rentner, Familien und Partygänger, die uns die Hände entgegen hielten, um abgeklatscht zu werden. Sie hatten keine Ahnung, wir klebrig meine von den Gels waren! So flogen die Kilometer nur so dahin! Einige der Sehenswürdigkeiten habe ich auch erkannt hinter meiner Schweiß verlaufenen Sonnenbrille: Ku´damm mit KaDeWe, Fernsehturm, Gedächtniskirche Gendarmenmarkt! Seiner Zeit, als man noch nicht so einfach zwischen Alexander Platz und Tiergarten rumrennen konnte, saß ich einmal mit Oma und Opa oben auf dem Fernsehturm und konnte das Brandenburger Tor erkennen. Damals hatte ich keine Ahnung, was es damals damit auf sich hatte und warum man das Tor unbedingt sehen muss, auch bei miesestem Wetter. Damals für viele scheinbar unerreichbar, führt der Berlin Marathon heute durch Ost und West und endet mit den letzten Metern durch dieses Tor. Für mich sehr bewegend und vor allem erschöpfend.

Aber nein, es lieft klasse! Ich hatte vier, fünf langsame, laaaaange Läufe in der Vorbereitung und immer wieder Wettkampftempointervalle, die Simone mir verordnet hatte. Für mich eine optimale Planung, denn die ersten km liefen recht schnell und ich hatte noch leichte Bedenken, ob ich die angeschlagenen 4:27min/km würde halten können. Simone hatte 4:30min/km als Ziel ausgerufen, was mich zu einer geheimen Zielzeit von 3:10h gebracht hätte. Sicher war ich mir, 3:15h laufen zu können. 3:10h aber schienen mir für mich beim ersten Marathon als nur unter aller besten Umständen erreichbar. Darum blieb ich diszipliniert und habe drauf geachtet, regelmäßig Kohlenhydrate zuzuführen und das Tempo, wenn schon schneller als geplant, zumindest konstant zu halten. An den Verpflegungsstellen hielt ich vorbildlich am Rand an, spülte das Energy Gel mit einem Becher Wasser herunter und weiter ging's. Das Tempo fühlte sich auch beim Halbmarathon immer noch gut an, aber ich dachte an den oft prophezeiten "Mann mit dem Hammer", der wohl irgendwo ab km 35 auf nichts ahnende Ausdauerathleten warten sollte. Vielleicht war ich an dem Tag zu schnell für ihn oder er hatte andere Verabredungen weiter vorn? Jedenfalls war da keiner! Die Muskulatur war einfach zäh an diesem Tag! Also reifte der Gedanke immer mehr, die letzten 3km nochmal alles in die Waagschale zu werfen, als ein jüngerer Herr mit Getränkerucksack, auf den uch aufgelaufen war, Widerstand zu leisten begann! Es lief weiterhin hervorragend und auch das höhere Tempo vertrugen die Beine! Irgendwann bog ich dann zum Brandenburger Tor ab und sah das Ziel vor Augen! Ein unbeschreiblich gutes Gefühl, nach reichlich 42km endlich die Beine abzulegen und das Ziel erreicht zu haben. 3:09:53h hatte ich für diesen ersten Lauf gebraucht! Ich war zwar ein paar hundert Meter mehr gelaufen, als die offiziellen 42,195km, aber das war mir jetzt auch egal. Mein absolutes Traumziel für diesen Tag war erreicht! Frühes Aufstehen auch bei miesestem Wetter hatten sich für mich ausgezahlt! Vergessen die Schinderei mit Intervallen nach der Arbeit oder der organisatorische Aufwand, auf Reisen Sport zu treiben! Endlich würde ich wieder sonntags bei Kaffee und Kuchen sitzen können, wenn ich wollte!

Die Spannung blieb aber weiterhin hoch, denn schließlich mussten auch Anita und Fyodor noch ins Ziel kommen! Fyodor trabte mir irgendwann im Zielbereich über den Weg und er war auch recht froh, sein Ziel erreicht zu haben. Er kam nach offiziellen 3:08:48h ins Ziel und wir machten es uns auf der Wiese vorm Reichstagegebäude bequem. Die Sonne schien für uns und wir waren froh über dieses leckere Erdinger alkoholfrei geniessen zu können, dessen Brauerei doch auch unseren Verein seit Jahren Unterstützt! Nur wenige Minuten nach Fyodor und mir lief dann auch Anita ins Ziel, sie hatte schwer gekämpft und war sehr froh, ihren ersten Marathon erfolgreich gelaufen zu sein! 4:09h hatte sie benötigt und freute sich nur noch auf Massage und Sauna. Das hatte sie sich aber auch echt verdient!

Jetzt freue ich mich auf den Urlaub und schaue mal in den Rennkalender, wo nächstes Jahr der zweite Marathon für mich ansteht. Ob's wieder so gut läuft? Keine Ahnung, aber die Aussicht darauf motiviert schon jetzt!

In diesem Sinne allen Sportlern eine erholsame trainingsfreie Zeit bzw. toi toi toi für die letzten Wettkämpfe!

Bleibt sportlich!
René

PS: Wer sich meinen Lauf bei strava anschauen möchte oder nur mal Berlin auf der Karte begutachten möchte, klicke diesen Link: https://www.strava.com/activities/401293203/overview

Alle weiteren Ergebnisse finden sich hier: http://results.scc-events.com/2015/

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