Der Ironman Hawaii 2022 ist Geschichte. Hier erfahrt ihr, wie es für unser Starterin Manu Süß lief und welche Eindrücke sie von Big Island mit nimmt. Holt euch 'ne Schoki und dann schnallt euch an!

Manu findet ihren Namen auf der Starterinnentafel.
Wie wird es heute für die Athletinnen laufen?

Liebe Manu, dein Rennen lief leider nicht nach Plan. Du musstest beim Laufen aussteigen. Das war sicherlich eine ganz schwierige Entscheidung. Nimm uns mal mit durch das Rennen. Wie lief das Schwimmen und Radfahren? Was waren hier die Herausforderungen?

Vor dem Rennen war ich sehr aufgeregt und emotional. Man darf in seiner Startwelle ca. 10min vor dem Startschuss ins Wasser und die ca. 100m bis zur Startlinie vorschwimmen. Ich habe mich recht weit vorne im ca. 200 Frauen starken Feld meiner Altersklasse eingeordnet, da ich doch großes Selbstvertrauen in mein Schwimmen hatte. Nach dem Startschuss habe ich mich recht schnell einsortieren können. Ich habe mich zu keiner Zeit irgendwie unwohl gefühlt. Auf Hawaii gleicht das Schwimmen oft vom ersten bis zum letzten Meter einer Schlacht um jede Position. Schläge und Tritte sind da keinen Seltenheit. Auch diesmal habe ich wieder einer riesigen blauen Fleck an der Wade davon getragen. Beim Wasserausstieg war ich doch etwas enttäuscht von meiner Zeit. Kurze Zeit später - zu Beginn des Radparts - erfuhr ich von meinen Supportern (mein Mann Enrico und Jörg), dass heute alle langsamer geschwommen sind und das Wasser wohl ordentlich Wellen und Strömung hatte.  Beim Radfahren habe ich auf der ersten Hälfte ordentlich Plätze und Zeit gut gemacht. Meine beiden Supporter standen an einigen Stellen und haben mich informiert. Ich war auf einem sehr guten Weg. Ich wusste, dass ich eigentlich nur so weiter fahren muss, um in aussichtsreicher Position aufs Laufen zu wechseln.

Manu fliegt über die Radstrecke.

Diesmal gab es eine zusätzliche Herausforderung. Durch das 2-Tages-Rennen hat es Ironman nicht geschafft, genügend Volunteers zu aquirieren- das war im Vorfeld bekannt. Dementsprechend wurden die Verpflegungspunkte auf der Radstrecke nahezu halbiert. Aus diesem Grund hatten wir einen zusätzlichen Flaschenhalter am Rad angebracht, um eine zusätzliche Flasche zur Kühlung zu transportieren. Ich wusste um die Herausforderung, aber manchmal trifft man im Rennen innerhalb von ein paar Sekunden falsche Entscheidungen, die man im Nachhinein gerne rückgängig machen würde . Das geht aber leider nicht. Mein größter Fehler war, dass ich am Wendepunkt in Hawi an der Verpflegungsstation kein Kühlungswasser aufnehmen konnte. Die Aidstation war unerwartet kurz und viele Sportler tummelten sich dort. Ich hätte einfach anhalten müssen und notfalls zurücklaufen müssen, um mich ausreichend zu versorgen. Die nächste Station kam leider erst 25km später. Ich denke, hier nahm das Elend seinen Lauf...

Gab es einen Zeitpunkt an dem du gemerkt hast, dass es heute nicht rundläuft?

Auf den letzten 60km des Radparts hatte ich schon Schmerzen am ganzen Körper, meine Leistungswerte sanken und ich wusste, dass ich es irgendwie schaffen musste, meinen Körper zu kühlen. Lediglich 2 weitere Aidstations halfen nicht wirklich. Das Wasser, welches gereicht wurde, war warm. So hoffte ich auf die Kühlung in T2. Aber auch hier gab es weder im Wechselzelt noch am ersten Verpflegungspunkt die erwartete Kühlung. So rannte ich erstmal los, die Schmerzen am ganzen Körper waren weiter präsent. Auch auf der Laufstrecke gab es weniger Verpflegungspunkte, so dass ich lange laufen musste, bis ich die Möglichkeit hatte Eis aufzunehmen. Die klimatischen Bedingungen sind hier immer extrem. An diesem Tag nur leider noch extremer, da die Luftfeuchtigkeit jenseits der 80% lag.

Wann musstest du das Rennen dann aufgeben?

Ich habe es nicht mehr geschafft, mich runterzukühlen. Der Kreislauf hat einfach aufgeben. Anstatt Hitze spürte mein Körper Kälte. Das war auch der Punkt, wo mein Mann mich bei ca. 12km aus dem Rennen genommen hatte. Anschließend erlebte ich alle Symptome einer Hitzeerschöpfung. An Weitermachen war leider nicht mehr zu denken. Ich bin natürlich sehr traurig, aber mit etwas Abstand betrachtet, hätte alles andere schlimm ausgehen können. Inzwischen habe ich mit meinem Rennen Frieden geschlossen.

Manu geht bereits ziemlich angeschlagen auf die Laufstrecke.
Sicherlich habt ihr mit deinem Trainer Jörg und deinem Mann zusammen schon Ursachenforschung betrieben. Welche Urachen siehst du, dass das Rennen nicht rund lief und welche Erkenntnisse nimmst du mit?

Ja, das haben wir! Ein großes Dankeschön an Jörg und meinen Mann, die da beide sehr analytisch ran gegangen sind. Ich habe die notwendige Kühlung an dem Punkt des Rennens (1/2 Radstrecke) unterschätzt und zu wenig Fokus daraufgelegt. Wenn die Körperkerntemperatur einmal über sein individuelles Maximum hinausgeht, braucht es Stunden und entsprechende Gegenmaßnahmen, um diese wieder zu senken. Das klappt innerhalb eines Rennens leider nicht.

Das Rennen wurde nun erstmals an zwei Tagen ausgetragen. Du bist am ersten der beiden Tage gestartet. Was denkst du im Nachgang zu diesem Konzept? Und wie habt ihr den zweiten Renntag (v)erlebt?

Aus Sportlersicht  kommt ein klares JA zur Wiederholung des 2-Tages-Formates. Das Frauenrennen war fair. Windschattenfahrerei gab es da , wo ich gefahren bin, nicht. Endlich standen mal nur wir Frauen im Mittelpunkt. Auch die Organisation der Veranstaltung insgesamt seitens Ironman kann ich nur als positiv bewerten. Kona war in den Tagen vor dem Rennen voll, aber man muss sich ja selbst nicht ins Getümmel begeben. Das Männerrennen haben wir uns selbstverständlich angeschaut. Das hat auf jeden Fall wieder neue Motivation gegeben.

Badetag im Triathlon-Mekka.
Was sind deine nächsten Ziele? Steht die Qualifikation für den Ironman Hawaii wieder auf deinem Zettel?

Das Triathlonfeuer brennt nach wie vor. Ich möchte es auf jeden Fall besser machen.

Keep smiling!
Vielen Dank, Manu!

Sponsoren

Bike 24
SoGehtSaechsisch
smile.amazon