Triathlonverein Dresden e.V.

Rechtzeitig vor dem 2. Rennen in Eutin spannt unser Leistungssportwart einen sehr informativen und leicht emotionalen Bogen von unser Bundesliga-Vergangenheit (bis 2009) zur Gegenwart des 1. Rennens in Gütersloh von vor 4 Wochen.

Es ist Mitte September 2016 und auf es wird zur Siegerehrung der Triathlon Regionalliga gerufen. Die Ehrung der Masters kommt noch ohne Dresdner Beteiligung aus. Bei der sich anschließenden Frauen- und Männerwertung hüpfen die Sportlerinnen und Sportler des Dresdner Spitzen Triathlon Team jeweils auf das oberste Treppchen des Podests. Damit ist der Aufstieg in die 2. Triathlon Bundesliga (DTL) für beide Teams in Sack und Tüten - yeah! Sowohl für die Aktiven als auch für die inzwischen auf weiten Strecken "nur" noch organisatorisch beteiligte Vereinfsührung zahlt sich in diesem Moment ein gutes Stück Arbeit aus. Das Damenteam hatte in den letzten Jahren wiederholt die sporliche Qualifikation für die Bundesliga erreicht, aber aus personellen Gründen kam der Aufstieg nicht zu stande. An diesem Abend ist nun klar, dass beide Teams den Aufstieg wahrnehmen wollen. Sieben Jahre ist es nun inzwischen her, dass sich das Herrenteam des Triathlonverein Dresden zum Saisonende 2009 aus der Bundesliga wegen fehlender personeller Perspektiven zurückzog. Dieser sehr lesenswerte Text von Jörg beleuchtet die Hintergründe dazu.

Mit einem kleinen Feuerwerk verabschieden wir uns von der Regionalliga-Familie in eine kühle und regnerische Cottbuser Nacht. Während die Sportler vom bezahlten Profisport, dicken Autos und eigenen Autogrammkarten träumen, wälze ich im Kopf schon die anstehenden Aufgaben. Was wird sich Alles verändern bzw. was sich verändern müssen, um gut vorbereitet in die 2. Bundesliga zu gehen? Einiges! Ich telefoniere und rede viel mit Sportlerinnen und Sportlern aus dem eigenen Verein und darüber hinaus. Das Ziel ist es leistungsorientierte AthletenInnen zu finden, die das Abenteuer Bundesliga angehen wollen, keinen Dienstwagen oder ein Gehalt fordern, authentisch sind und auch menschlich ins Team passen. Der Herbst geht und der Winter kommt. Langsam habe ich den Dreh heraus: Es kommen immer mehr Zusagen und der Kader füllt sich. Meine Kopfschmerzen lassen nach.

Und bald wird klar: Nur Bundesliga und Landesliga reicht nicht. Margrit überweist auch die Meldegebühren für ein Männerteam in der Regionalliga. Damit ist der Triathlonverein Dresden in drei Ligen mit fünf Mannschaften vertreten: Damen und Herren in der 2. Bundesliga, Herren in der Regionalliga Ost und zwei Teams in der Landesliga Sachsen. Das ist mal eine Ansage! Der organisatorische Aufwand steigt natürlich auch und es gibt zahlreiche Baustellen. Besonderes Kopfzerbrechen macht mir, dass das Autohaus Dresden Reick uns nicht mehr mit Transportern und 9-Sitzern unterstützen kann. Das war über viele Jahre eine große Hilfe beim Transport der Sportler und Räder. Danke hierfür! Auch was uns damit an Mietkosten erspart blieb, wird mir so langsam in Zahlen bewusst und eine Lösung für die nahende Saison muss gefunden werden.

Nun ist es inzwischen Anfang Juni. Viele Aufgaben und Herausforderungen sind bewältigt, viele EMails geschrieben worden. Die ersten Wettkämpfe sind absolviert und auch das erste Bundesliga-Rennen liegt hinter dem Team, wofür dann typischerweise das gesamte Wochenende drauf geht: Samstag wird die oftmals 500 km lange Anreise bewältigt und die Strecken besichtigt. Die Betreuer der Teams müssen zur Bundesliga-Besprechung und werden gebrieft. Die gesammelten Informationen werden dann an die jeweiligen Teams weitergegeben. Sonntag ist endlich Wettkampf. Anschließend werden die Ergebnisse gesichtet, ausgewertet und die ersten Analysen auf der Heimreise angestellt. Klar, dass ist alles ganz schön viel Aufwand für 60 Minuten Sport. Aber das war vorher klar und es lohnt sich: Man trifft alte Bekannte, neue Unbekannte, sieht, dass andere auch nur mit Wasser kochen und schaut mal über den Tellerrand. In der Bundesliga ist das Windschattenfahren generell erlaubt, so dass es hier auf dem Rad doch etwas dynamischer zur Sache geht als bei einem 40 km Einzelzeitfahren. Insgesamt ist die Leistungsdichte höher, Alles viel enger beieinander und damit auch Alles offener. Durch das gemeinsame Wochenende werden die Bundesligarennen noch mehr als Team angegangen, woraus eine zusätzliche Motivation erwächst, denn neben dem eigenen Abschneiden, wollen die Sportler auch zu einem guten Teamergebnis beitragen.

Beim ersten Wettkampf in Gütersloh stand nun ein Teamsprint auf dem Programm, d.h. die vier Damen bzw. fünf Herren eines Teams mussten zusammen 750 m Schwimmen, 20 km Radfahren und 5 km Laufen. Beim Radfahren bzw. Laufen durfte ein Athlet "verloren" gehen, was taktische Aufstellungen ermöglichte. Die Teams wurden im Abstand von je einer Minute auf die Strecke geschickt, wobei in der Reihenfolge des Tabellenstandes der letzten Saison gestartet wurde. Als Aufsteiger gingen unsere Teams am Ende des Feldes ins Rennen. Wegen der Startabstände hatten die Teams während des Wettkampfs nur wenig Orientierung, wie sie im Rennen lagen. Auf der anderen Seite, was will man bei einer Sprintdistanz auch groß taktieren? Bei nur knapp 60 Minuten Wettkampfzeit lautet die 1. Taktik "Ballern" und die 2. "volle Kanne".


Auf dem Weg nach Gütersloh sacken wir in Leipzig noch die restlichen Sportler ein und weiter geht's. Dank eines Transporters von YellowFox und eines 9-Sitzers von CarlundCarla bekommen wir alle Räder und Sportler bequem durch die Republik transportiert. Am Samstag Nachmittag besichtigten wir noch das Wettkampfareal und die Radstrecke - jup, hier kann man ordentlich auf die Kurbel drücken! Während ich mich mit den anderen Teambetreuern zur Wettkampfbesprechung versammele, absolvieren die Sportler noch einen kurzen Auftaktlauf. Für das Abendessen hatte Marvin den Italiener mit der besten Pasta und den besten Pizzen ausgesucht. Zwischen Bestellung und Essen konnten wir auch gleich noch die teaminternen Besprechungen zur Taktik und zu eventuellen Pannen und Krisensituationen abhalten. Es kann immer mal nicht so laufen wie geplant. Wenn man sich dessen bewusst ist und auch entsprechende Notfallpläne bereit hat, hilft das enorm. Wir kommen in einem recht großem Tagungszentrum mit Mehrbettzimmern unter. Hier erfolgt dann auch die Einkleidung mit den bekannten Erdinger Alkoholfrei Shirts und den roten Teamhosen. Wir haben eine ganzen Flur für uns und damit eine ruhige Nacht.


Der Sonntagmorgen läuft routiniert ab. Jeder weiß, was der eigene Magen vorm Wettkampf verträgt und was gar nicht geht, dann auschecken, einladen, Fahrt, ausladen, einchecken, Warm-Up. Karo und Friedrich sind mit, werden sich aber aufs Zuschauen und Anfeuern beschränken. Damit kann ich heute meine multiplen Fähigkeiten im Betreuen zweier Teams einsetzen.


Zu erst gehen die Männerteams ins Rennen. Das Dresdner Spitzen Triathlon Team wird durch Jonas Kliemann, Marvin Wetzk, Max Gaumnitz, Philipp-Johannes Müller und Jonas Meyer verteten. Das Team von KTT 01 aus Köln startet als Sieger der letzten Saison zu erst. Und auch ein Dresdner ist dabei: Alex Schilling, der das Triathlon-ABC im TV Dresden erlernte und inzwischen auf den längeren Distanzen als Profi unterwegs ist, schwimmt das Kölner Team an. Unterdessen ist die Spannung im Dresdner Team fast zu greifen. Außer für Jana Richter und Jonas Meyer ist die Bundesliga für alle im Team sportliches Neuland. Vor dem ersten Start in der neuen Ligasaison ist man sich des eignen Könnens immer unsicher. Reicht das Training? War ich nicht doch zu oft krank? Was können die anderen? Aber das gehört auch zum Sport und auch damit muss ein jeder seinen Umgang finden. Gleich geht's los. Team 15 ist gestartet. Die Dresdner Jungs sind als nächsten dran. Sie schwimmen auf Bahn 8 zusammen mit TriZack Rostock, die schon 600 m haben, als das Startsignal ertönt. Kliemann, Wetzk, Gaumnitz, Müller, Meyer - so lautet die Reihenfolge der Namen auf den rot-weißen Einteiler, die sich nun durch's Wasser bewegen. Philipp, der recht kurzfristig eingesprungen ist, wird als schwächster Schwimmer im Team von Jonas Meyer unterstützt. Dieser schiebt Philipp nach den Wenden immer wieder an Max seine Füße und verhindert somit Löcher. Ich laufe am Beckenrand neben dem Team her, schaue mir das Treiben an. Sollte etwas schief gehen, werde ich das versuchen audio-visuell mit zuteilen. Mit jeder weiteren Bahn legt sich meine Aufregung - es funktioniert wie trainiert und besprochen. Jonas leistet hinten ausgesprochen gute und wertvolle Arbeit, während Jonas Kliemann als jüngstes Teammitglied als Paceschwimmer einen tollen Job macht. Er lässt sich nicht verleiten zu schnell zu schwimmen und auch das Aufschwimmen auf die Rostocker bleibt ohne Kontaktverlust innerhalb des Dresdner Teams. Endlich sind die 750 m voll. Ich schieße noch schnell ein paar Fotos vom Ausstieg, dann wetze ich mit festem Griff um die Kamera zum Radaufstieg. Ahh, da kommen sie schon! Ich gebe den fünf noch ein paar Motivationsrufe mit auf den Weg und wende mich nun vorerst den Damen zu.

Das Dresdner Damenteam wird durch Louise, Jana, Pauline und Astrid vertreten. Astrid solle ihre Stärken beim Schwimmen und Radfahren einbringen, um die schnellen Läuferinnen Pauline, Louise und Jana möglichst relaxt auf die Laufstrecke zu schicken. Noch ein Teamfoto, kurzes Abklatschen, letztes gutes Zureden und dann sind sie auch schon im Wasser. Louise schwimmt von vorne weg und ich würde ihr wieder vom Beckenrad versuchen mitzuteilen, wenn eine Lücke im Team reist. Das passiert nicht, es sieht alles sehr gut aus und Astrid als letzte Schwimmerin schiebt Jana nach jeder Wende wieder ordnungsgemäß an Paulines Füße heran. Pauline lässt keinen Milimeter zu viel zwischen sich und Louise kommen, so dass das Team mit einer ordentlichen Schwimmzeit aus dem Becken klettert. Die Mädels hetzen in den Wechselgarten und ich renne durch das Schwimmbad, über die Laufstrecke und sehe noch den Radaufstieg. Hopp, hopp, hopp und hopp -alle sitzen im Sattel, kurzes Gefummel an den Radschuhen, "alle dran - los!!" und ab geht die Post.


Inzwischen kommen die Männerteams vom Radfahren wieder und wechseln zum Lauf. Kurze Absprache mit Karo und Friedrich, die Jungs sind gerade auf die zweite Laufrunde gegangen und sahen wohl gut aus. Ich rennen den Männern auf der Laufstrecke entgegen: Gerade aus, Kurve rechts, nicht wegrutschen, Kamera fest halten, Schreck! Mir kommt ein TV-Einteiler entgegen spaziert. Es ist Philipp. Ihm fehlt nichts, es war einfach zu schnell. Zu schnell für Philipp, der doch erst vor wenigen Wochen knapp unter 16 Minuten auf 5 Kilometer gelaufen ist und auch sonst als guter Bike-Runner gilt?! Ui, das ist Musik in meinen Ohren! Und da kommen sie auch schon. Marv, Jonas, Max und Jonas sehen schnell aus. Sie kämpfen als Team mit den Messern zwischen den Zähnen um jeden Schritt und jede Sekunde. Geil, genau darum geht's! Mein Herz schlägt schneller. Kurz muss ich daran denken, wie das bei uns "damals" war, zusammen mit Dirk, Alex, Paul, Jörg, Michal, Frank-Peter, Kalle, Otti und Konsorten. Hach, welche schöne Erinnerungen! Ich renne hinterher und da die Laufstrecke noch durch den Wechselgarten führt, bin ich rechtzeitig zu ihrem Einlauf am Zielbogen. Jonas bläst noch in bester Grahlo-Manier zum Zielspurt. Geschafft! Jonas, Jonas, Max und Marv und Philipp sind völlig fertig, ausgepumpt und auch ein wenig leer im Kopf.

Jetzt heißt es abwarten, wie schnell die anderen Teams waren und wo wir uns einsortierten. Kurzes Abklatschen und "Super, gut gemacht!", dann geht's weiter zu den Mädels auf die Radstrecke.


Am Wendepunkt finde ich Karo und Friedrich und auch Astrids Papa. Wir müssen uns noch kurz in Geduld üben, dann schießt das Team angeführt von Louise um die Kurve. Es sieht schon ziemlich cool aus, wenn Triathlon als Teamsport ausgeübt wird! Bis zum Radabstieg unserer Mädels bleibt noch etwas Zeit zum Durchatmen, Blödeln mit Friedrich und Karo und zur Nahrungsaufnahme.


Der Wechsel klappt augenscheinlich ganz ordentlich und so begibt sich das Team auf die Laufstrecke. Pauline übernimmt die Führung und gibt diese auch bis zum Ziel nicht mehr her. Jana und Louise folgen. Astrid, die das Team beim Schwimmen und Radfahren massiv unterstützt hat, läuft das Rennen in ihrem Tempo zu Ende. Die drei Laufen fast hintereinander, was an sich schon ein Indiz für ein hohes Tempo ist. Und auch die Dresdner Jungs, die inzwischen an der Laufstrecke zum Auslaufen und Anfeuern sind, sind sich einig: Das ist schnell. Kurze Zeit später sind Pauline, Jana und Louise geschafft und glücklich im Ziel. Astrid folgt auch gleich.

Wiederum kurzes Abklatschen, dann lasse ich sie erst einmal alleine, damit sie die ersten Emotionen und Eindrücke verarbeiten können. Außerdem ist es jetzt Mittag und Friedrich hat Hunger. Nun heißt es schnell handeln!

Die Ergebnislisten sind draußen: Platz 11 von 18 Teams für die Männer und Platz 7 von 11 Teams für die Mädels. Top! Das ist ein gelungener Einstieg in die Saison. Die ehemaligen Regionalligamitstreiter von Friesen Berlin erreichen Platz 14 und die Jungs von TVB 09 landen auf Platz 15. Die Konkurrenz ist sehr dicht beieinander, was auch die Teams bestätigen, die schon länger dabei sind. So hätte bei vergleichbarer Siegerzeit die Zeit des Damenteams im letzten Jahr für Platz 4 und die Zeit der Herren für Platz 6 gereicht. Die Leistungsdichte bedeutet aber auch, dass Ausrutscher sowohl nach oben als auch nach unten absolut möglich sind. Mit den Splitzeiten sind beide Teams in allen drei Disziplinen gut dabei. Die Taktik war wohl ganz brauchbar und das Teamgefüge auf jeden Fall super. Sahnehäubchen des Tages ist aus meiner Sicht, dass Louise, Jana und Pauline die schnellste Laufzeit aller Damenteams hinlegen. Das wird auch der Konkurrenz nicht entgangen sein!

Mit einem guten Eindruck, viel Motivation und reichlich kaputten Muskeln treten wir die Heimreise an. Das nächste Rennen findt am 18.06. in Eutin als normaler Sprinttriathlon mit Windschattenfahren statt.

 

Ergebnislisten:

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aktuell: 2. BL-Nord Gütersloh; MTB Marathon Dresden

 

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