Triathlonverein Dresden e.V.

Neuzugang Manu berichtet vom heißesten Tag Ihres Lebens.

Wo fängt man bei so einem Bericht zu einem der längsten Tage im Sportlerdasein an? Schreibt man chronologisch alles auf, was einem so wiederfährt an so einem Tag? So ein Ironman beginnt ja eigentlich viel eher. Daher zunächst ein riesen Dankeschön an alle die mich in den vielen Monaten der Vorbereitung unterstützt haben: Mein lieber Mann Enrico, der meine Launen, Zweifel und Rückschläge erträgt. Meine Familie und Freunde, die akzeptieren dass ich mal wieder keine Zeit habe. Coach Jörg Bozenhard, der immer mit Rat zur Seite steht und wiederholt verzweifelt versuchte am Beckenrand das Optimum aus meinem Armzug rauszuholen. Und natürlich alle die mit gefiebert, Daumen gedrückt und sich mit mir gefreut haben.

Nachdem ich im letzten Jahr bei meiner ersten Langdistanz schon mit der Hitze in Roth zu kämpfen hatte, war auch beim IM Frankfurt schnell klar, die Bedingungen werden wohl nicht besser. Ganz im Gegenteil: Prognostizierte Temperaturen von 40 Grad ohne Schatten, Neoverbot und diverse Sorgen von Eltern und Freunden, was ich mir da antue und ich soll ja auf mich aufpassen. Ich hatte mich nochmal eingehend mit den körperlichen Reaktionen bei Hitze beschäftigt, mir vorgenommen auf mich und Signale zu achten und das Rennen entsprechend vernünftig anzugehen. Ich startete Gott sei Dank in der ersten Schwimmwelle. Die Massen an Schwimmern mit blauen Badekappen aus der zweiten Welle schienen mich echt erdrücken zu wollen, wie sie da alle auf ihrem Hügel standen. Die Nationalhymne trieb mir ein paar Tränchen ins Auge und dann ging es ab ins Wasser. Was für ein Hauen und Stechen auf den ersten Metern. Daher entschied ich mich, mich nach außen zu kämpfen und habe dann für meine Verhältnisse schnell den Rhythmus im 27 Grad warmen Wasser gefunden. Nach 1:07 h und an Position 6 meiner AK hatte ich meine „Angstdisziplin“ geschafft.

Schneller Wechsel aufs Rad und erst mal entspannt essen. Das klappte sehr gut, da man zunächst fast nur geradeaus nach Frankfurt rein rollt. Durch das Abfahren der Radstrecke mit dem Auto kannte ich zumindest die wichtigsten Passagen der Strecke. Die ca. 500m lange Kopfsteinpflasterpassage genannt „The Hell“ verdient seinen Namen zu recht. Danke an dieser Stelle an Jan und Bernd vom Radhaus Hochstadt direkt an der Kopfsteinpflasterpassage, die am Tag vor dem Start nochmal schnell und sehr unkompliziert geholfen haben und wertvolle Tipps gegeben haben. An dieser Stelle kommt es in jedem Jahr zu den meisten Pannen. Und wir reden hier nicht über platte Reifen, sondern über Gabel- und Schalthebelbrüche, abgefallene Schaltgruppen und Bremsen, umherfliegende Flaschen, Luftpumpen, Ersatzschläuche, Powergels etc. 

Die erste Radrunde lief locker, so dass ich mich sogar bremsen musste, um nicht schneller wie geplant zu fahren. Ich war inzwischen auf Position 3 vorgefahren, der Abstand zur Spitze 3min. Leider hat es mich dann bei der zweiten Durchfahrt „The Hell“ materialtechnisch auch erwischt. Zuerst bricht die Garminhalterung inkl. Gerät, so dass ich wieder zurück musste, um mein teures Teil wieder einzusammeln. Ich fuhr wieder los und der Flaschenhalter zwischen meinem Lenker brach. *Fluch* In Bruchteilen von Sekunden entscheidet man, was man macht. Ich entschied mich für einen kurzen Stopp am Bike Service kurz nach „The Hell“. Ich schilderte megaaufgeregt Bernd und Jan vom Radhaus mein Malheur. Nach einer kurzen Beruhigung und einem Masterplan habe ich notdürftig das Garmin mit Panzerband befestigt. Was die alles an so einem Service Point haben! Die ganze Aktion hat mich ca. 4 min gekostet und dazu kam noch das fehlende Wasser durch den nicht mehr zu reparierenden Flaschenhalter. Das hat mich dann in der zweiten Radrunde ganz schön Körner gekostet. Die Hitze wurde echt unerträglich. Mit einem dehydrierten und überhitzten Gefühl bin ich dann nach 5:21 h immer noch als 3. der AK, aber mit mittlerweile 10min Rückstand auf die Spitze, vom Rad runter und rein in meine geliebten Laufschuhe. 

4 Laufrunden am Main in der brütenden Hitze, keine Wolke am Himmel. Ich lief von Verpflegungsstand zu Verpflegungstand immer mit demselben Ablauf: Kopf kühlen mit Wasser, trinken Wasser, Cola, Eiswürfel in die Kleidung gesteckt, nochmal Wasser über den Kopf und weiter. Anfang der 2. Laufrunde bin ich dann auf den 2. Platz vorgelaufen. Die Dehydrierung machte sich sichtbar durch dicke weiße Wurstfinger, also entschied ich mich für ein paar Schübe Salz an den nächsten Verpflegungsstellen. In Runde 2 und 3 musste ich leider jeweils das gleiche Dixie-Örtchen besuchen. *Fluch* Ich habe trotz des miesen Gefühls nie gezweifelt, dass ich es nicht schaffe. Der Zieleinlauf war einfach nur emotional und unbeschreiblich toll. Unfassbar! Vizeeuropameisterin der AK, Hawaii-Slot! Völlig überwältigt.

Im Ziel musste ich dann gleich zur Dopingkontrolle. Versucht mal bitte nach knapp über 10 Stunden Belastung bei 40 Grad 90ml Urin abzugeben. Hat bei mir 1,5 Stunden gedauert! Zumindest ist man in einem klimatisierten Raum und hat genügend Essen und Trinken, trifft Julia Gajer und plauscht ein bisschen.

Am nächsten Tag bei der Finisher-Party inkl. Siegerehrung und Slotvergabe gab es noch eine Extraüberraschung für mich. Ich habe noch zusätzlich die Sonderbergwertung mit einem gestifteten Preis von Mercedes Benz gewonnen. Als schnellste Gipfelstürmerin habe ich noch eine V-Klasse inkl. Hotel-Übernachtung für 1 Woche gewonnen. Mega! Über unerwartete Dinge freut man sich meist noch mehr.

Die extremen Bedingungen machen einem wirklich erst bewusst, wie glücklich man sich schätzen kann, dass der Körper das alles mitmacht: Vizeeuropameisterin, drittbeste Agegrouperin, achtbeste Deutsche, 13. Frau gesamt, 10:12 h und es geht nach Hawaii– einfach nur überglücklich!

Aloha Eure Manu Süß

>Results<

Login

Resultate

aktuell: Tri Day Störmthaler See (SM)

 

Infos

Sponsoren

smile.amazon

Anmelden